Augenpartie einer vergoldeten Buddha-Statue mit drittem Auge.

In der Sonderausstellung erzählen ausgewählte Highlight-Objekte der Ethnologie und der Naturkunde, wie eine japanische  Buddha-Statue und ein prächtiger  Quetzal, vielfältige Geschichten. 125 Beiträge von Expert_innen, Künstler_innen und Freund_innen widmen sich der wechselvollen Historie des Hauses oder Besonderheiten der Exponate, manche offenbaren ganz Persönliches.

 

Perspektivwechsel zum Jubiläum

 

Das 125-jährige Jubiläum nimmt das Museum Natur und Mensch zum Anlass für einen Perspektivwechsel. Im Vordergrund stehen vielstimmige Geschichten zu den Objekten, die neue Einblicke in das Museum, seine Historie und Sammlungen geben. Für die Ausstellung wurden je drei Autor_innen mit unterschiedlichsten Hintergründen eingeladen, ihre Stimmen zu Objekten aus der Naturkundlichen und Ethnologischen Sammlung einzubringen. Zum Jubiläum werden so 125 bislang unerzählte Geschichten "ausgepackt". Mehrstimmig, kreativ, kritisch, gleichberechtigt und auch persönlich setzen sich die Autor_innen mit dem Museum auseinander. Unbekanntes wird sichtbar, Bekanntes wird neu betrachtet. Die Schau fordert auf, Wissens- und Interpretationsgewohnheiten zu hinterfragen und erwartet mehr als eine Antwort. Pluralität schafft Raum für kritische Reflexion und Diversität. Lassen Sie sich auf das Experiment ein, durch vielseitige und ungewohnte Blickwinkel auf Objekte, Sammler_innen und Zeitgeschehen das Museum und die in ihm bewahrten Geschichten (neu) kennenzulernen.

Geschichte. Bewegt. Gegenwart.

Das Museum hat eine wechselvolle Geschichte. In jeder Epoche war und ist es beeinflusst von gesellschaftlichem und wissenschaftlichem Zeitgeist. Lokale und globale Ereignisse sowie Personen prägen seine Entwicklung. Einblicke in die Museumsgeschichte ermöglichen nicht nur Erkenntnisse über die Vergangenheit, sie helfen auch, unsere Gegenwart zu verstehen: Wie, durch wen und warum wurden Objekte gesammelt? Von welchen Ereignissen, Menschen oder Orten legen sie Zeugnis ab? Was wurde präsentiert, was blieb in den Depots und unerzählt? Wie ist Freiburg durch die Sammlungen mit globaler Geschichte verwoben? Die Bestände des Museums, Zeugnisse des Natur- und Kulturerbes der Welt, sind bis heute die Fundamente und die Beschränkungen, die es nachhaltig formen.

Die Freiburger "Faunengruppen“ entstanden in der bewegten Zeit vor dem Ersten Weltkrieg. Neue Museumsräume machten es möglich, tiergeografische Regionen mit ihren "charakteristischen" Repräsentanten voluminös in Szene zu setzen. Um die Wirkung der Gruppen noch zu steigern, versah sie ein Theatermaler mit Landschaftspanoramen und entwickelte sie auf diese Weise zu Dioramen weiter. Der Steinbock auf künstlichem Felsen krönte die Gruppe der alpinen Fauna. Lebend war er damals in den Savoyer Alpen kaum mehr anzutreffen. Er zeigt einen Verlust an und kann uns deshalb noch heute auf besondere Weise anrühren.

Susanne Köstering, Historikerin

Mein Großvater, Johannes Christian Heldt, war Kapitän bei der Woermann-Linie, einer Hamburger Reederei, die im Afrika-Liniendienst besonders die damaligen Kolonien des Deutschen Reichs mit Gütern versorgte und deren Produkte nach Deutschland holte. Die meisten afrikanischen Häfen waren noch nicht ausgebaut und die Liegezeit war lang. Dabei gab es sicherlich Gelegenheiten für meinen Großvater bei den Einheimischen Körbe, Figuren oder Speere einzutauschen oder käuflich zu erwerben. Der große Umfang Ihrer Sammlung, die auf meinen Großvater zurückgeht, lässt den Schluss zu, dass die Artikel gezielt gesammelt wurden.

Eiler Heldt, Enkel des Sammlers

Netzwerke. Verbinden. Geschichten.

Durch Objekte ist das Museum mit der Welt verbunden. Sie bilden den Ausgangspunkt für historische und aktuelle Netzwerke: Sammler_innen, Vertreter_innen von Urhebergesellschaften, Expert_innen und Besucher_innen bringen darin ständig neues Wissen, Erinnerungen und Bedeutungszuschreibungen ein. Als Ort des Wissenstransfers, geht das Museum in seiner Arbeit dieser Vielstimmigkeit von Objekten nach: Welche Biografien sind mit Sammlungen verbunden? Welche lokalen und globalen Beziehungen lassen sich anhand dieser nachvollziehen? Wie ändern sich Zuschreibungen im Lauf der Zeit? Vielfältige Sichtweisen machen das Museum zu einem lebendigen Ort der Vernetzung und erlauben stetig neue Aspekte an Objekten kennenzulernen.

Porträtmaske einer Tlingit-Ahnin
Soundistallation des Tlingit-Künstler Nicholas Galanin zur Porträtmaske

Der Afrikanische Büffel wird auch Kaffernbüffel (Syncerus caffer) genannt und wurde 1779 zuerst von dem schwedischen Arzt und Botaniker Anders Sparrman als solcher bezeichnet. Der Begriff "Kaffer" stammt aus dem Arabischen und wurde im Kontext der deutschen Kolonialgeschichte abwertend für verschiedene Gesellschaften des südlichen Afrikas gebraucht. Heute gilt er als zutiefst rassistisch und ist in Südafrika sogar verboten. Dass der Afrikanische Büffel noch immer so bezeichnet wird, schreibt bedauerlicherweise eine lange Geschichte der Ausbeutung, Kolonialisierung und Diskriminierung fort.

Sibille Merz, Wissenschaftssoziologin

Wissen. Vermittelt. Vielfalt.

Die Naturkunde und Ethnologie greifen in ihrer Arbeit auf spezifisches Wissen und fachliche Expertisen zurück. Dies befähigt das Museum, seinen Aufgaben – Sammeln, Bewahren, Forschen und Vermitteln – nachzukommen. Einige Arbeitsprozesse finden jedoch hinter den Kulissen statt und bleiben für Besucher_innen unsichtbar. Innensichten, die sonst keinen Eingang in Ausstellungen finden, erlauben neue Einblicke: Was machen Präparator_innen und Restaurator_innen? Wie werden Sammlungen aufgearbeitet? Wie wird Wissen vermittelt? Viele Hände greifen ineinander, damit das Museum die natürliche und kulturelle Vielfalt, die es bewahrt, erhalten, öffentlich zugänglich und an die nächste Generation übergeben kann.

Im Sommer 1993 hatte ich das Glück, als Grabungshelferin an einer Ausgrabung von Blattfossilien in der Bohlinger Schlucht teilnehmen zu dürfen. Obwohl wir in einer Kuhle im Hang die Platten abgestochen haben, war das Gelände zur Entstehungszeit der Fossilien ein baumbestandenes Flussufer. Die inkohlten Blätter wirkten wie eine Trennschicht im umgebenden Tonmergel. Wenn man also mit kleinen Meißeln eine Platte abstach, sprang diese einem förmlich entgegen. Man musste sie nur noch umdrehen und war Auge in Auge mit 13,5 Millionen Jahre alten Blättern. Definitive "Magic Moments" meines Arbeitslebens!

Daniela Reininghaus, Museumspräparatorin

Neben der Restaurierung gehört die Betreuung der Objekte für eine Ausstellung zu den Aufgaben eines Restaurators. Die Betreuung beginnt mit der Verpackung für den Transport zum Ausstellungsort. Im Fall des Federschmucks bedeutet das besonders die sehr druckempfindlichen Federn zu schützen. Für die Präsentation in der Schau wird eine Montage erarbeitet, die sich in das Konzept einfügt, aber das Objekt nicht beschädigt. Während der Ausstellung müssen auch die Umgebungsbedingungen wie Licht und Klima d.h. Temperatur und Luftfeuchtigkeit gesteuert werden. Der Rücktransport muss ebenso sorgfältig erfolgen.

Diane Lanz, Restauratorin

Die Texte zur Sonderausstellung finden Sie hier.