Zug von Kindern vor italienischer Küstenlandschaft mit Fahnen

Originelle Motive und ein großer Erzählreichtum wurden zu Johann Baptist Kirners Markenzeichen und führten ihn zum Erfolg. Auch der badische Großherzog stellte ihn als Hofmaler in seine Dienste. Kirners Szenen spielen im Schwarzwald, in Italien, Karlsruhe und Bayern – den Stationen seines Lebens. Viele seiner Gemälde wurden für den Kunstmarkt als Druckgraphiken reproduziert und machten ihn auch international bekannt. Als Grundlage für seine detailreichen und in feinem Pinselstrich gemalten Bilder dienten ihm unzählige Vorstudien von Menschen, Tieren und Dingen.

Johann Baptist Kirner folgte zunächst der handwerklichen Tradition seiner Familie und ging bei einem Kutschenmaler in Freiburg und bei einem Dekorationsmaler in Villingen in die Lehre. Sein Bruder, der Maler Lukas Kirner, verhalf ihm zu Unterricht in Historienmalerei an der Augsburger Kunstschule und ein großherzogliches Stipendium ermöglichte von 1824 bis 1829 ein Studium an der Münchner Akademie. Ein Reisestipendium brachte Kirner in den 1830er-Jahren nach Neapel und Rom, wo er mit Franz Xaver Winterhalter ein Atelier teilte. 1839 wurde er zum Badischen Hofmaler ernannt. Kirners Genrebilder enthalten häufig humoristische und karikaturhafte Details.

Der Hofmaler

Kirners Ernennung zum großherzoglich-badischen Hofmaler 1839 durch Leopold I. sicherte ihm ein lebenslanges finanzielles Auskommen und steigerte sein künstlerisches Ansehen. Trotz dieser Anstellung hielt es den Maler nicht lange in Karlsruhe. Schon bald nach der Übergabe der Jagdpartie – seinem einzigen Repräsentationsbild im Genrestil – an den Großherzog zog es ihn in die damalige süddeutsche Kunsthauptstadt München. Jedes Jahr richtete er erneut ein Urlaubsgesuch an den badischen Hof, dem stets stattgegeben wurde. Dankbar für die lebenslange Unterstützung vermachte Kirner seinen künstlerischen Nachlass dem Großherzoglichen Kunstkabinett, dessen Bestände heute zur Sammlung der Staatlichen Kunsthalle Karlsruhe gehören.

Ausstellungsansicht "Der Hofmaler"
Ausstellungsansicht mit Medienstation im Bereich "Der Hofmaler" (Foto: Axel Killian).

Leben im Schwarzwald

Die Schwarzwälder Heimat zieht sich thematisch durch Kirners künstlerisches Werk: von seinen ersten ausgestellten Bildern an der Münchner Akademie bis zum letzten Gemälde von den Eltern. Die belebte Stube ist dabei der räumliche Lebensmittelpunkt, in dem gearbeitet, gefeiert oder über die Zukunft entschieden wird. Ausgestattet mit typischem Mobiliar und voller persönlicher Gegenstände sind die Gemälde wertvolle volkskundliche Zeitzeugnisse. Sie veranschaulichen die Detailversessenheit und die intensive Auseinandersetzung Kirners mit seinen Bildthemen. Seine lebensnahen Stuben- und Trachtenstudien entstanden als Vorarbeiten zu den Gemälden und dokumentieren den Arbeitsprozess des Künstlers von der ersten Idee bis zum vollendeten Werk.

Ausstellungsansicht "Leben im Schwarzwald"
Ausstellungsansicht im Bereich "Leben im Schwarzwald" (Foto: Axel Killian).

Revolutionäre und Halunken

Die kriegerischen und in ganz Europa turbulenten Revolutionsjahre griff Kirner als Bildthema auf. Als Hofmaler im Dienst des badischen Herrschers war ihm direkte Kritik verwehrt, doch gerade die Standrechtliche Erschießung eines Schwarzwälders zeigt die Anteilnahme des Künstlers am politischen Geschehen. Seine realistische Inszenierung erzeugt Mitgefühl mit dem Revolutionär, der soeben von den preußischen Truppen hingerichtet wird. Das Gemälde Ein Schweizer Gardist erzählt verhalf Kirner 1831 zum internationalen Durchbruch.

Seine „Halunken“ entstammen literarischen Vorlagen oder sind im oberbayerischen Brauchtum verwurzelt. Die originellen Motive inszeniert Kirner als humorig-prekäre Momentaufnahmen. Der Ausgang des Geschehens bleibt dabei buchstäblich im Dunkeln.

Ausstellungsansicht "Revolution"
Ausstellungsansicht im Bereich "Revolutionäre und Halunken" (Foto: Axel Killian).
Ausstellungsansicht "Revolution"
Ausstellungsansicht im Bereich "Revolutionäre und Halunken" (Foto:Axel Killian).

Sehnsucht nach Italien

Eine Studienfahrt nach Italien war fester Bestandteil der Ausbildung europäischer Künstler. Auch Kirner brach 1832 in den Süden auf. Finanziert durch ein großherzogliches Stipendium verbrachte er mehrere Jahre in Rom und bereiste Neapel sowie das dortige Umland. Der Maler war fasziniert von der südlichen Landschaft und den italienischen Trachten. In der Umgebung Roms fand er die Motive für seine Skizzenbücher. Das südliche Licht hellte seine Farbpalette auf; der strahlend blaue Himmel ist auf seinen Bildern allgegenwärtig. Zwei Jahre lang teilte er sich mit seinem Schwarzwälder Künstlerfreund Franz Xaver Winterhalter ein Atelier in Rom. Im deutschen Künstlerkreis der Ponte-Molle-Gesellschaft fühlte sich Kirner so wohl, dass ihm die Rückkehr in die Heimat sehr schwer fiel.

Ausstellungsansicht "Italien"
Ausstellungsansicht mit Medienstation im Bereich "Sehnsucht nach Italien" (Foto: Axel Killian).

Karikaturen

In seinen humoristischen Zeichnungen gibt Kirner intime Einblicke in das Leben mit seinen Künstlerfreunden. Entstanden beim geselligen Zusammensein in vertrauter Atmosphäre waren die frechen Zeichnungen wohl nur für den privaten Raum bestimmt: Anekdoten auf gemeinsamen Künstlerausflügen, Kirners Abschied in Rom und die Ankunft 1839 in München oder kleine Streitigkeiten unter den Freunden werden karikierend festgehalten. Ob als rasch skizzierte Momentaufnahmen auf ausgerissenem Papier oder als detaillierte Porträts – die Zeichnungen dokumentieren den hohen Stellenwert der Freunde, die Kirner sein Leben lang begleiteten. Zeitgenössische Fotografien veranschaulichen im Vergleich die karikierende Verfremdung der Personen auf den Zeichnungen.

Ausstellungsansicht "Karikaturen"
Ausstellungsansicht im Bereich "Karikaturen" (Foto: Axel Killian).

Verlust und Reproduktion

Zahlreiche druckgraphische Reproduktionen nach 17 Gemälden Kirners belegen die Beliebtheit seiner Motive. Verbreitet als Jahresgaben der deutschen Kunstvereine, in Zeitschriften und auch in Sammelwerken, machten sie seine Gemälde einem größeren Publikum bekannt. Zugleich sind sie ein wichtiges bildliches Zeugnis für heute verlorene Werke und für die zahlreichen Versionen eines Bildthemas. Die Reproduktionen sind in verschiedenen graphischen Techniken angefertigt und kopieren ihre Gemäldevorlagen bis ins kleinste Detail in verkleinertem Format. Mit ihren mehrsprachigen Beschriftungen in Deutsch, Englisch und Französisch wurden sie eindeutig für einen internationalen Markt produziert.

Ausstellungsansicht "Verlust und Reproduktion"
Ausstellungsansicht im Bereich "Verlust und Reproduktion" (Foto: Axel Killian).

Ausstellungskatalog

Johann Baptist Kirner. Erzähltes Leben. Begleitbuch zu den Ausstellungen des Augustinermuseums. Hrsg. von Adila Garbanzo León, Felix Reuße und Tilmann von Stockhausen. Petersberg: Michael Imhof Verlag 2021.