Schwarzwaldhäuser in Landschaft

Kaum eine Region in Deutschland ist so bekannt wie der Schwarzwald. Dunkle Wälder, viel Wasser und Menschen, die mit den Traditionen verbunden sind, aber trotzdem weltoffen und zukunftsgewandt ihr Leben gestalten. Im 19. Jahrhundert ließen sich zahlreiche Künstler vom Leben im Schwarzwald inspirieren und siedelten sich dort oder in den Städten an der Peripherie an. Ihre Werke erzählen von den Menschen und von der Schönheit der Natur.
Mit diesen Darstellungen gelang es den Künstlern ein neues Heimatgefühl zu wecken. Dabei entstand kein umfassendes, sondern ein selektives, oftmals romantisierendes Bild des Schwarzwaldes, das „unser“ Bild der Region bis heute prägt.

WEITBLICK UND PANORAMA

Der Schwarzwald ist geologisch gesehen ein altes Mittelgebirge, viel älter als beispielsweise die Alpen. Die meisten Bergkuppen im Schwarzwald sind eher flach und abgerundet. Zum Rheintal hin fallen die Berge dagegen steil ab, dazwischen sind tiefe Täler mit Wasserläufen eingeschnitten. Im Osten schließt sich bis zur Schwäbischen Alb eine flache Hochebene an, die sogenannte Baar. Aus der Vogelperspektive zeichnet sich eine sanfte Hügellandschaft ab, deren Weitläufigkeit viele Künstler angeregt hat.

Maler wie Hermann Dischler und Karl Hauptmann zogen mit der Palette in die Natur, um den besten Standort für einen Blick auf das Panorama des Schwarzwaldes zu gewinnen.

Hermann Dischler (1866 - 1935)

Hermann Dischler studierte als Meisterschüler von Gustav Schönleber (1851–1917) an der Großherzoglich-Badischen Kunstschule in Karlsruhe. Seit 1908 war er in Hinterzarten in seinem "Künstlerhaus" tätig, in dem er auch ausstellte. Aufgrund seiner Vorliebe für winterliche Schneelandschaften des Schwarzwaldes wurde Dischler "Schneemaler" genannt. Seine Werke zeichnen sich durch eine genaue Wiedergabe der Natur aus. Ab Ende des 19. Jahrhunderts malte er nach Vorlage eigener Fotografien, die er mithilfe von Projektionen auf die Leinwand übertrug. Dischler war Vorsitzender der Künstlervereinigung "Breisgauer Fünfer" und gründete 1926 die Ausstellungsgemeinschaft "Die Schwarzwälder" mit.

DÜSTERNIS UND MELANCHOLIE

Der Wasserreichtum des Schwarzwaldes hängt damit zusammen, dass es häufiger regnet; die Niederschlagswerte sind deutlich höher als in anderen Regionen Deutschlands. Im Winter fällt der Niederschlag zumeist als Schnee. Viele Schwarzwaldhöfe waren früher oft monatelang von der Außenwelt abgeschnitten.

Viel Niederschlag bedeutet auch, dass im Schwarzwald häufig das Wetter schlecht ist. Maler wie Fritz Reiss oder Friedrich Kallmorgen waren gerade von den dunklen Wolken, dem Regen und dem Wind fasziniert und haben diese Stimmungen in ihren Bildern festgehalten. Mehrfach wirken die Schwarzwaldhäuser auf diesen Gemälden verlassen, die Einsamkeit der Menschen in der weiten Natur wird hier zum künstlerischen Thema.

Franz Xaver Gräßel (1861 - 1948)

Der Genremaler Franz Xaver Gräßel absolvierte von 1878 bis 1884 ein Studium im Porträt- und Genrefach an der Großherzoglich-Badischen Kunstschule Karlsruhe und ab 1886 beim Historienmaler Wilhelm von Lindenschmit (1829–1895) an der Münchner Akademie. Zwischen 1891und 1893 widmete Gräßel sich in der Künstlerkolonie Gutach und in seiner Heimat Obersasbach bäuerlichen Genrebildern des Schwarzwaldes. Ab 1901 wohnte er in Emmering und war Ehrenvorsitzender der 1924 gegründeten Künstlervereinigung Fürstenfeldbruck. Gräßels Spezialisierung auf Tiermotive – Enten, Gänse und Hühner, die er in der Natur zeichnete und im Atelier in Öl umsetzte – führten zu seinem Beinamen "Entenmaler". 

ROMANTIK UND IDYLLE

Anfang des 19. Jahrhunderts erwacht das Interesse für die Natur. Ihre Schönheit findet Widerhall in Kunst und Literatur. Der Schwarzwald zählt allerdings zunächst nicht zu den Zielen der ersten Touristen, da große Teile zu dieser Zeit abgeholzt sind, kahle Bergkuppen und verwüstete Landschaft überwiegen. Erst in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts entdecken die Menschen die Schönheit des Schwarzwaldes, als die Wiederaufforstungen Erfolg haben und die ersten Eisenbahnlinien das Land erschließen. Besonders wichtig war hier die Schwarzwaldbahn, die das Kinzig- und das Gutachtal erreichbar gemacht hat.

Auch der Maler Wilhelm Hasemann kam auf diese Weise 1880 erstmals nach Gutach und hielt in seinen Bildern einen romantischen Blick auf den Schwarzwald fest.

Hans Thoma (1839 - 1924)

Hans Thoma wuchs im Schwarzwald auf. Nach kurzen Lehren als Lithograph und Anstreicher in Basel brach er die Ausbildung beim Uhrenschildmaler Johann Baptist Laule in Furtwangen aus Geldmangel ab. Mithilfe eines Stipendiums studierte er von 1859 bis 1866 in Karlsruhe. Gustave Courbet (1819–1877), dem er 1868  in Paris begegnete, hatte einen großen Einfluss auf ihn. Eine Sonderausstellung im Münchner Kunstverein verhalf ihm 1890 zum späten künstlerischen Durchbruch. 1899 wurde er Direktor der Großherzoglichen Gemäldegalerie in Karlsruhe und Professor für Landschaftsmalerei an der Akademie. Obwohl er seiner Heimat Bernau immer verbunden blieb, wollte Thoma nicht als "Schwarzwaldmaler" gelten.

ALLTAG UND ARBEIT

Im Schwarzwald konnten die Menschen nicht ausschließlich von der Landwirtschaft leben. Aufgrund der harten Winter und steilen Hänge war es oftmals lediglich möglich, Viehwirtschaft zu betreiben. Wegen des Holzreichtums entwickelte sich schon frühzeitig die Glasindustrie. Für die Herstellung des Glases war Holzkohle notwendig, die aus den umliegenden Wäldern gewonnen wurde. Dies führte zur Abholzung weiter Teile des Schwarzwaldes.

In den langen Wintern fertigten die Menschen im Schwarzwald in Heimarbeit zahlreiche Produkte wie Bürsten, Strohhüte oder Hinterglasmalereien. Auch Uhren wurden zunächst auf diese Weise hergestellt, bald jedoch in spezialisierten  Betrieben. Den Vertrieb der Produkte organisierten die Menschen meist selbst, indem Träger mit den fertigen Produkten in die Städte geschickt wurden. Frühe handwerkliche Fertigung führte oftmals zur Gründung von hochspezialisierten  Firmen, die heute ihre Hightech-Produkte weltweit verkaufen.

Wilhelm Gustav Friedrich Hasemann (1850 - 1913)

Nach einer Ausbildung als Schlosser und Mechaniker studierte Wilhelm Gustav Friedrich Hasemann in Berlin und Weimar Malerei und war im Anschluss als Illustrator tätig. Für Illustrationen zu Berthold Auerbachs Roman "Lorle, die Frau Professorin" kam er 1880 zum ersten Mal nach Gutach im Schwarzwald. Von 1880 bis 1882 setzte Hasemann sein Studium in Karlsruhe fort und siedelte nach Gutach über. Viele weitere Maler zogen hinzu, wodurch die Gutacher Künstlerkolonie entstand. Hasemanns Genredarstellungen des ländlichen Brauchtums prägten das Bild des Schwarzwaldes. Seine Postkartenserien mit Schwarzwaldmotiven machten die Gutacher Tracht und den Bollenhut Ende des 19. Jahrhunderts weltbekannt.

TRADITIONEN UND RITUALE

Wie in vielen Bergregionen Europas spielen Traditionen und Brauchtum im Schwarzwald bis heute eine große Rolle. In fast jedem Dorf werden unterschiedliche Trachten und unterschiedliche Hochzeitskronen ("Schäppel") getragen. Es herrschten aber auch strenge Regeln und Hochzeiten wurden bis in das 19. Jahrhundert hinein oftmals arrangiert.

Die Religion spielte im Alltag der Menschen eine große Rolle. Der Schwarzwald war überwiegend katholisch geprägt, es gab an der Grenze zu Württemberg aber auch evangelische Gemeinden, wie beispielsweise Gutach an der Schwarzwaldbahn. In Gutach und in drei weiteren Gemeinden bestand die Tradition, dass die unverheirateten Frauen einen roten Bollenhut tragen. Mit ihren Darstellungen dieses traditionellen Brauches sorgten die Künstler dafür, dass der Bollenhut heute zum Symbol und Werbeträger des Schwarzwaldes geworden ist.

Johann Baptist Kirner  (1806 - 1866)

Johann Baptist Kirner folgte zunächst der handwerklichen Tradition seiner Familie und ging bei einem Kutschenmaler in Freiburg und bei einem Dekorationsmaler in Villingen in die Lehre. Sein Bruder, der Maler Lukas Kirner, verhalf ihm zu Unterricht in Historienmalerei an der Augsburger Kunstschule und ein großherzogliches Stipendium ermöglichte von 1824 bis 1829 ein Studium an der Münchner Akademie. Ein Reisestipendium brachte Kirner in den 1830er-Jahren nach Neapel und Rom, wo er mit Franz Xaver Winterhalter ein Atelier teilte. 1839 wurde er zum Badischen Hofmaler ernannt. Kirners Genrebilder enthalten häufig humoristische und karikaturhafte Details.

Wilhelm Hasemann illustriert hier zwei Szenen aus der Erzählung "Der Vogt auf Mühlstein" von Heinrich Hansjakob. Magdalena, die Tochter des Vogts, betet am Kruzifix nahe dem elterlichen Hof.
Für sie wurde eine Ehe mit einem älteren, wohlhabenden Mann arrangiert, obwohl sie einen mittellosen Jungen liebt. Vorne im Brautzug ist Magdalena in traditioneller Tracht zu sehen.

SCHWARZWALDHÄUSER

In kaum einer Landschaft ist die Architektur so eng mit der Natur verbunden wie im Schwarzwald. Das Schwarzwaldhaus ist unverwechselbar. Anhand seiner Architektur lässt sich die Landschaft verorten, denn das Schwarzwaldhaus wurde den  Bedingungen der Natur angepasst: Tief heruntergezogene Dächer schützen das Haus vor dem Schnee. Zudem sind die Menschen und das Vieh meist in einem Gebäude vereint, weil man die Wärme der Tiere nutzte. Wenn Schwarzwaldhöfe am Hang stehen, führt eine Einfahrt vom Berg direkt in die große Scheune im Dachstuhl.

Trotzdem gibt es zahlreiche regionale Unterschiede und verschiedene Haustypen. Der Schwarzwald inspirierte Künstler – wie kaum eine andere Landschaft –, sich intensiv mit den Häusern der Menschen zu beschäftigen und diese in Bildern festzuhalten.

Karl Schuster  (1854 - 1925)

Als Sohn des Oberbürgermeisters von Freiburg geboren, studierte Karl Schuster zunächst Architektur an der Technischen Hochschule Karlsruhe, bevor er 1883 ein Studium an der Großherzoglich-Badischen Kunstschule bei Gustav Schönleber (1851–1917) aufnahm. Er war Mitglied der in Freiburg gegründeten Künstlervereinigung "Breisgauer Fünfer". Schusters Vorbildung als Architekt kommt auch in seinem Kunstschaffen zum Ausdruck:  bauliche Besonderheiten übertrug er detailgetreu in seine Bilder. Zu seinen Sujets zählen Landschaften und Kapellen im Schwarzwald. Zudem brachten Reisen nach Norditalien und in die Niederlande Stadt- und Hafenansichten hervor. Seinen Nachlass vermachte er dem Augustinermuseum Freiburg.

MENSCHENBILDER

Im frühen 19. Jahrhundert spielte das Porträt in der Malerei eine große Rolle, nicht nur bei einem so bedeutenden Maler wie Franz Xaver Winterhalter. Viele der regionalen Maler schufen realistische Porträts von Menschen aus dem Schwarzwald. Darunter sind vor allem erfolgreiche Handwerker und Kaufleute, die sich selbstbewusst darstellen ließen. In der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts begannen die Maler, sich für die Menschen und ihre traditionellen Lebensformen zu interessieren. Die Menschen wurden nun meist in ihrer traditionellen Tracht gezeigt, auch wenn sie diese in ihrem Alltag schon längst nicht mehr getragen haben.

Franz Xaver Winterhalter (1805 - 1873)

Der aus einer Bauernfamilie stammende Franz Xaver Winterhalter absolvierte im Herderschen Kunstinstitut in Freiburg eine Lehre als Kupferstecher und Lithograph. Mit einem großherzoglichen Stipendium studierte er im Anschluss an der Akademie in München. Ab 1828 am badischen Hof in Karlsruhe tätig, wurde er nach einer Studienreise durch Italien 1834 zum Hofmaler ernannt. Der Durchbruch gelang 1837 in Paris. Als gefragtester Porträtmaler des europäischen Adels fertigte Winterhalter unter anderem Aufträge für Napoleon III. und Königin Victoria von England (1840–1901) an, ebenso das weltberühmte Porträt der österreichischen Kaiserin "Sisi" (1837–1898). Zeitlebens unterstützte der Künstler seine Familie im Schwarzwald.