Meister des Hausbuches

Passionsaltar, um 1480

Über das Objekt

Der nur in Teilen erhaltene Flügelaltar stammt angeblich aus dem Speyerer Dom. Er zeigt Szenen der Passion Christi: Schaustellung Christi durch Pilatus (inks), Kreuzigung (Mitte), Christus vor dem Hohepriester (rechts). Weitere Altarflügel befinden sich in Frankfurt (Auferstehung) und Berlin (Abendmahl und Fußwaschung Petri).
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Der möglicherweise aus dem Dom zu Speyer stammende Flügelaltar mit Darstellungen der Passion Christi ist nur bruchstückhaft erhalten. Freiburg besitzt die Mitteltafel mit der volkreichen Golgathaszene, dazu die abgespaltene Innenseite des linken Flügels mit der Schaustellung Christi durch Pontius Pilatus (Ecce Homo), der rechte Flügel mit der Auferstehung befindet sich hingegen in Frankfurt. Seine Stelle nimmt in der aktuellen Museumspräsentation nun eine Tafel mit der Episode ein, in der Christus als Gefangener nächtens dem Hohepriester vorgeführt wird. Dabei mag es sich um einen ehemaligen Standflügel handeln, der nur in geschlossenem Altarzustand sichtbar war, gemeinsam mit den beiden abgetrennten Außenseiten der Drehflügel mit der Darstellung des Abendmahls und der Fußwaschung Petri (jetzt in Berlin). Eine diesen Szenen voraufgehende Passionsszene unbekannten Inhalts, auf dem linken Standflügel, wäre demzufolge verloren. Der Passionsaltar ist das malerische Hauptwerk eines am Mittelrhein ansässigen Ateliers, für das der Notname Meister des Hausbuchs steht. Die Benennung zeigt an, dass zuallererst graphische Arbeiten mit dem Meister und seiner Werkstatt verbunden werden: die Federzeichnungen des namengebenden Hausbuchs, einer auf das Kriegswesen bezogenen Handschrift, vor allem aber auch Kaltnadelradierungen, die sich durch ihre ungewöhnlich freie Technik und eine höchst originelle Themenwahl - ritterliches Leben und Bauernsatire zum Beispiel - auszeichnen. Stilistische Gemeinsamkeiten mit dem Passionsaltar und weiteren Gemälden sind offenkundig. Sie sind umso deutlicher, nachdem es möglich wurde, auch die Vorzeichnung unter der Malschicht mit einem optischen Verfahren sichtbar zu machen. Malerische Delikatesse und ein hoch entwickeltes Farbempfinden treten in den Gemälden des Hausbuchmeisters hervor, dazu eine Beobachtungsgabe, die auf ein intensives Studium niederländischer Vorbilder schließen lässt. Von dort ist auch das stimmungsvolle Nachtbild auf dem rechten Standflügel mit der Verleugnung Petri entlehnt, das zu den frühesten in der deutschen Kunst zählt. (Detlef Zinke)

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