Johann Caspar Schenck

Samson als Kanzelträger , vor 1666 (?)

Über das Objekt

Der jüdische Held Samson ist der Inbegriff körperlicher und religiöser Stärke zugleich. Die Skulptur stammt aus Neukirch bei Furtwangen im Schwarzwald. Ursprünglich war sie die Trägerfigur am Fuß einer Kanzel. In Säckingen und Ebersmünster ist diese Situation noch gegeben.
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Samson ist als Held des Volkes Israel und als Personifikation übermenschlicher Kraft in die christliche Bilderwelt eingegangen, gewissermaßen der Herkules alttestamentlicher Zeit. Seine Stärke, die ihn dazu befähigte, einen Löwen mit bloßen Händen zu zerreißen oder alleine gegen ganze Heerscharen von feindlichen Philistern zu bestehen, war darin begründet, dass seine Haare ungeschoren blieben, wie es ein Engel den Eltern vor der Geburt des Kindes aufgetragen hatte. Erst der verräterischen Geliebten Dalilah gelang es, hinter das Geheimnis zu kommen, und schnitt dem Schlafenden das Haar ab. Samson wurde geblendet und gefangengenommen, vermochte aber noch in der Haft - nachdem er das Haupthaar und damit seine Kraft wiedererlangt hatte -, eine große Zahl seiner Feinde zu vernichten. Dabei fand er selber den Tod. Im Barock nahm man gelegentlich seine legendäre Körperkraft sozusagen in Dienst, indem man eine Statue des alttestamentlichen Helden als symbolische Trägerfigur unter einen Kanzelkorb stellte. So wurde zugleich sichtbar, dass der Neue Bund auf den Fundamenten des Alten ruht. Beispiele an Ober- und Hochrhein finden sich in der Klosterkirche von Ebersmünster im Elsass oder im Bad Säckinger Münster. Der Freiburger Samson, der wegen seiner römisch-antiken Soldatenbekleidung auch als der mit dem Speer bewaffnete Longinus unter dem Kreuz Christi gedeutet wurde, stammt aus Neukirch bei Furtwangen im Schwarzwald. Die Last der Kanzel ‚trug‘ er offenbar auf dem Kopf, während die erhobene Linke an die Wandung gefasst haben könnte. Im pathetisch geöffneten Mund, in den heraustretenden Adern der Arme, in den sich zusammenziehenden Muskeln der Beine teilt sich die Anstrengung mit. Christoph Daniel Schenck, geboren und ansässig in Konstanz, gilt als der bedeutendste Bildhauer der Bodenseeregion zwischen den Zürns und Joseph Anton Feuchtmayr. Lange Zeit kaum beachtet, wird er heute vor allem wegen seiner virtuosen und expressiven Kleinplastik hoch geschätzt. (Detlef Zinke)

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