Figur

"Lächelnde Figur" oder "Lachendes Gesicht", vermutlich 300 – 900 n. Chr.

Über das Objekt

Die Hohlfigur aus gelbbrauner Terrakotta wurde mit Modeln für die verschiedenen Körperteile geformt und sorgfältig zusammengefügt. Sie ist ein gut erhaltenes Exemplar der sog. „Lächelnden Figuren“: Dabei handelt es sich um Darstellungen junger Menschen, die aufrecht stehen, mit erhobenen Armen, kurzen Beinen und einem Bäuchchen unter der leicht eingefallenen Brust. Hier ist vermutlich ein Mann gezeigt mit Lendenschurz, Brustband, Hals- und Ohrschmuck sowie einer Haube mit dem typischen Spiralmotiv. Über die Funktion der Figuren ist wenig bekannt. Sie waren Grabbeigaben, möglicherweise dienten sie als Begleiter des Toten auf der Reise durch die Unterwelt. Benannt wurden sie nach ihrem Gesichtsausdruck, dessen Bedeutung unklar ist - vielleicht eine Folge des rituellen Genusses des berauschenden pulque. Autorin: Eva Gerhards
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An der Golfküste Mexikos legte zwischen 1200 und 600 v. Chr. die frühe Hochkultur der Olmeken die Grundlage für die nachfolgenden mesoamerikanischen Kulturen. Bereits damals wurden Hohlfiguren aus Terrakotta produziert, ein Kunsthandwerk, das später zu hoher Perfektion und künstlerischer Qualität entwickelt wurde. Insbesondere die klassische Periode der Vera Cruz-Kultur (300- 900 n. Chr.) brachte zahlreiche Meisterwerke der Menschendarstellung hervor, die z.T. bis über einen Meter hoch sind. Dieser Periode gehören auch die sog. „Lachenden“ oder „Lächelnden Gesichter“ an. Sie stellen junge Männer und Frauen dar, mit breitem Gesicht und kleinem leicht überhängendem Bäuchchen unter einer etwas eingefallenen Brust. Diese Figur zeigt vermutlich einen Mann mit Lendenschurz, einem Brustband, Hals- und Ohrschmuck und einer Haube mit dem typischen Spiralmotiv. Solche Plastiken wurden mit Hilfe von Modeln für die verschiedenen Körperteile geformt und dann sorgfältig zusammengefügt. Über ihre Funktion wissen wir wenig: Sie waren Grabbeigaben, vielleicht gedacht als Begleitung des Toten für seine Reise durch die Unterwelt. Im Gegensatz zu den zahlreichen Menschendarstellungen der altmexikanischen Kunst, die einen strengen, hoheitsvollen oder auch gequälten Ausdruck zeigen, vermittelt die Figurengruppe der „Lächelnden Gesichter“ eine heitere Stimmung. Mit ihrer Mimik und ihren erhobenen Armen wirken sie wie im Tanz. Doch ob sich in diesen Plastiken Lebensfreude, Ekstase oder ritueller Rausch ausdrückt, lässt sich nur spekulieren. Ebenso, ob sie in Verbindung stehen mit Gottheiten des Spiels, des Tanzes und der Musik. Autorin: Eva Gerhards

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