West- oder Südwestdeutsch

Gekreuzigter Christus (Crucifixus dolorosus), 1325/50

Über das Objekt

Der geschundene, stark abgemagerte Leib Christi war einst an einem Gabel- oder Astkreuz befestigt. So erklärt sich die je unterschiedliche Haltung der Arme. Das Bildwerk stammt aus dem Freiburger Münster. Es vertritt den Typus des im frühen 14. Jh. aufkommenden, Mitleid erregenden „Schmerzensreichen Gekreuzigten“.
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Der fürchterlich geschundene, beinahe zum Skelett abgemagerte Leib Christi war einst an einem Gabel- oder Astkreuz befestigt. Daraus erklärt sich die asymmetrische Haltung der ausgestreckten Arme, die besonders ins Auge fällt, zieht man den herkömmlichen Typus mit der lateinischen Kreuzform vergleichend heran. Crucifixus dolorosus, schmerzensreicher Gekreuzigter, wird diese betont veristische Darstellung des am Kreuz geopferten Heilands genannt. Auch die Begriffe Pestkreuz und Mystikerkreuz werden in eher populärer Anwendung bisweilen gebraucht. Im einen Fall nimmt man darauf Bezug, die Leiden der Menschen zur Zeit der ersten Pestepidemie um 1350 hätten im Bilde des so entsetzlich Gemarterten ihren adäquaten Ausdruck gefunden. Im anderen wird an die vornehmlich in den Bettelordensklöstern anzutreffende Glaubensinbrunst erinnert, die bis zur extremen Identifikation mit dem leidenden Gottessohn und zu selbstquälerischen Praktiken reichte. Als Urbild des Typus gilt bis auf weiteres der mit dem Datum 1304 verbundene, wahrhaft aufrüttelnde Crucifixus dolorosus in der Kölner Kirche St. Maria im Kapitol. An ihm ist beispielhaft ablesbar, wie wesentlich gerade auch die farbige Fassung für die angestrebte Wirkung solcher Darstellungen ist. Erst die aus allen Wunden quellenden Blutstrauben und eine drastische Blutmalerei nämlich vollenden das mitleiderregende Bild. Dem Gabelkreuz wiederum hat man in der Regel eine grüne, frische Farbigkeit zuteil werden lassen in Anspielung auf den Baum des Lebens und auf dessen Hoffnungssymbolik. Christi grausamer Tod ist damit zugleich als Sieg über den Tod kenntlich gemacht. Die Figur entstammt dem Freiburger Münster, könnte aber als Exportwerk hierher gelangt sein. (Detlef Zinke)

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