Figur

Zwillingsfigur, 20. Jahrhundert

Über das Objekt

Weibliche Zwillingsfigur mit hoher Frisur in Form einer Pudelmütze. Auffallend ist der dünne Hals der Figur, die Reste von Rötel aufweist. Sonst ist das Holz dunkelbraun und glatt. An der Figur angebracht sind zwei Hüftschnüre aus Schildpattscheibchen und weiß-roten, beziehungsweise grün-roten Keramikperlen.
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Zwillinge haben nach der Vorstellung der Yoruba eine gemeinsame, unteilbare Seele. Deshalb findet sich beim Tod des einen Zwillings der überlebende in einem gefährlichen unstabilen Zustand. Um das Gleichgewicht wiederherzustellen und ein Weiterleben zu garantieren, befragen die Eltern einen Orakelpriester, ob das verstorbene Kind sich eine Figur wünscht und beauftragen dann einen Schnitzer mit der Fertigung. Die kleine Holzfigur, Ere Ibeji (Abbild des Zwillings) ist ein symbolischer Ersatz für den Verstorbenen, eine neue Wohnstätte seiner Seele. Stirbt auch der zweite Zwilling im Kindes- oder Jugendalter kann eine weitere Figur vom gleichen Schnitzer und im gleichen Stil gefertigt werden. Deshalb ist bei einem Figurenpaar die eine oft abgegriffener und älter. Nach dem Tod der Mutter geben die verstorbenen Zwillinge dem Orakelpriester bekannt, ob die Figuren mit ihr begraben oder in die Obhut eines anderen Familienmitglieds gegeben werden sollen. Die mit den Ibejis verbundenen Vorstellungen sind jedoch nicht einheitlich für das gesamte Yorubagebiet: Neben dem Ersatz für einen Verstorbenen können die Figuren auch den Wunsch einer Frau nach Zwillingen verkörpern oder, nach dem Tod eines Paars, den Status einer Frau als Zwillingsmutter. Desweiteren können sie als Votivgaben dienen, die dem Zwillingsgott Orisha Ibeji nach einer Zwillingsgeburt dargebracht werden.

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