Franz Xaver Winterhalter

Die Briefleserin, 1860

Über das Objekt

Winterhalter, der Porträtist der Fürsten und Könige, stammte aus dem kleinen Dorf Menzenschwand am Fuße des Feldbergs. Die unbekannte Briefleserin zeichnet sich, ebenso wie seine Darstellungen des internationalen Adels, durch eine Meisterschaft in der Umsetzung der Stofflichkeit sowie der Detailgenauigkeit der Gesichtszüge aus.
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Franz Xaver Winterhalter war im 19. Jahrhundert einer der wohl berühmtesten Porträtmaler in Europa überhaupt. Er malte alle wichtigen Fürsten und Könige, darunter vor allem die mächtigen Frauen der Zeit. Er stammte aus dem kleinen Dorf Menzenschwand am Fuße des Feldberges, des höchsten Gebirges im Schwarzwald. Nach ersten Erfolgen am Hof in Karlsruhe ging er 1834 nach Paris. In kürzester Zeit setzte er sich in der damaligen Kulturmetropole als Maler durch, erhielt Aufträge vom französischen Hof, später auch von anderen europäischen Höfen, so vor allem von Königin Victoria von Großbritannien. Victoria gab mehr als 100 Gemälde bei Winterhalter in Auftrag, weil sie ihre Familienmitglieder in allen Lebenslagen festhalten wollte. Viele Gemälde Winterhalters waren sehr populär, oftmals mussten er oder die Mitarbeiter seines Ateliers Zweit- und Drittfassungen herstellen, weil diese Werke befreundeten Königshöfen geschenkt wurden. Winterhalter gelang es wie kaum einem anderen, lebendige und lebensnahe Porträts zu schaffen. Die Gesichter wurden fein und detailgenau ausgearbeitet, in der Kleidung oder im Hintergrund hingegen wechselte er zu einem freien und lockeren Pinselduktus, hier malte er oftmals wie die impressionistischen Zeitgenossen. Dadurch entstanden Unschärfen im Bild, die diesem aber mehr Tiefe und Realismus vermittelten. Später wendeten Fotografen diese malerische Technik Winterhalters in der Fotografie an. Dieses Porträt einer einfach gekleideten jungen Frau in der Seitenansicht ist nicht signiert und befand sich im Nachlass der Erben Winterhalters. Es ist wahrscheinlich, dass es sich um eine Frau aus seinem Heimatort Menzenschwand handelt, den er zeit seines Lebens, auch als er schon ein berühmter und gefragter Mann war, immer wieder besuchte. Mit konzentriertem Blick betrachtet die junge Frau einen Brief – ein Motiv, das seit Jan Vermeer (1632–1675) immer wieder Eingang in die Malerei gefunden hat. TILMANN VON STOCKHAUSEN

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