Hans Baldung Grien

Christus als Schmerzensmann, von Maria und Engeln beweint, 1513

Über das Objekt

Baldung vereint hier die Themen der Marienklage, des Schmerzensmannes und der Fürbitte für die sündige Menschheit zu einem komplexen Gedankenbild. Das mit Datum und Monogramm versehene Gemälde stammt angeblich aus Kloster Lichtenthal, Baden-Baden. Es entstand während Baldungs Tätigkeit am Hochaltar des Freiburger Münsters.
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In mütterlichem Erbarmen, mit verweinten und geröteten Augen wendet sich Maria dem Sohn zu. Erschöpft rastet er gleichsam auf Wolkenkissen im Himmel, leichenblass ist sein Körper, von tiefer Schwermut das Antlitz gezeichnet. Mächtig drückt die Dornenkrone aufs Haupt, aus den Wunden fließt noch das Blut. In tiefer Verzweiflung sind geflügelte Engelskinder um den geopferten und doch lebenden Christus besorgt. Weitere Klageengel schweben herab, zwei von ihnen weisen Leidenswerkzeuge vor. Rechts oben erscheint die Büste Gottvaters, der den Heiligen Geist in Gestalt der Taube ausgesandt hat. Baldung hat ein komplexes, das Abendmahlsopfer symbolisierendes Gedankenbild hinterlassen, das mehrere Themen zugleich - Schmerzensmann und Schmerzensmutter, Marienklage, Engelspietà und nicht zuletzt das Fürbitte-Motiv der Heilstreppe, unter Einbezug des Vaters und der Heilig-Geist-Taube - anklingen lässt. Diese Überlagerung mehrerer Sinnschichten hat nach Auffassung der Kritik zu formalen Konflikten geführt, die der Maler nur unzureichend zu bewältigen wusste. Anatomische Schwächen und eine verminderte malerische Sorgfalt treten vermeintlich hinzu, so dass trotz der authentischen Künstlersignatur immer wieder Zweifel an der Autorschaft laut wurden. Tatsächlich ist in Baldungs Freiburger Zeit bei den Gemälden bisweilen auch mit einem Anteil der Werkstatt zu rechnen. 1512 aus Straßburg gerufen, das riesige, vielgestaltige Hochaltarretabel im Münster zu schaffen - ein enormer Auftrag für sich -, hat er hier in fünf Jahren eine unerhört produktive Tätigkeit nicht nur als Maler, sondern auch als Graphiker und Entwerfer von Kirchenfenstern entfaltet. (Detlef Zinke)

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