Hans Baldung Grien

Maria mit dem schlafenden Kind, 1520

Über das Objekt

Ungewöhnlich ist der flächig rote Hintergrund. Davor erscheint die Muttergottes betont plastisch. Das schlummernde Kind weist voraus auf den Opfertod Christi. Die Tafel trägt das Monogramm Baldungs und eine Datierung, die schon unterschiedlich gelesen wurde: als 151X oder mit arabischen und römischen Ziffern als 1520 (1510 + X).
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Das Gemälde nimmt in mehrerlei Hinsicht eine Sonderstellung im Schaffen Baldungs ein. Man sehe nur den ganz ungewöhnlichen, leuchtend roten Grund, der auf den ersten Blick als flächiger Anstrich erscheint, auf den die Madonna aber doch ihren Schatten zu werfen scheint. So erhält dieser Grund, kaum merklich, eine räumliche Tiefe, deren die betont plastisch, mit greifbar festen Formen ins Bild gesetzte Figur auch durchaus bedarf. Noch seltsamer nimmt sich die verrätselte Datierung - 151X - unterhalb des Maler-Monogramms (links oben) aus. Zusammengesetzt aus arabischen und römischen Ziffern, hat sie zu verschiedensten Lesarten angeregt, von 1509 über 1514 bis zu 1520 (1510 + 10). Stilistisch plausibel ist nur das letztgenannte Entstehungsjahr. Daran knüpft sich die reizvolle Überlegung, Baldung, inzwischen von Freiburg in seine Heimatstadt Straßburg zurückgekehrt, habe mit dieser Tafel sein nachträgliches Meisterstück abgeliefert, das ihm aufgrund der Straßburger Zunftverfassung im Jahr seiner Aufnahme 1509 noch nicht abverlangt war. Zeugnis höchsten malerischen Könnens, ist das Madonnenbild aber doch auch und zuallererst ein Werk religiöser Andacht. Unter solchen Vorzeichen weist das schlummernde Kind auf den Grabes-Christus, allgemeiner gesagt auf den Opfertod Jesu voraus. Ahnungsvoll, in einer Anwandlung von Melancholie, scheint darüber Maria selbst zu sinnieren. (Detlef Zinke)

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