Joseph Heintz

Anbetung der Hirten, 1599

Über das Objekt

Joseph Heintz, Hofmaler Kaiser Rudolphs II. in Prag, schafft auf kleinstem Raum ein Werk, das gekonnt aus dem Fundus vergangener Größen schöpft. Die Anbetung des Jesuskindes durch die Hirten erfährt durch Anspielungen auf Antonio Correggio und Jacopo Tintoretto, aber auch Hans Holbein d. J. eine vielschichtige Interpretation. Das Kupfertäfelchen war womöglich Bestandteil einer Folge zum Marienleben.
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Joseph Heintz aus Basel machte Karriere als Kammermaler Kaiser Rudolphs II., der in Prag residierte. Neben Bartholomäus Spranger und Hans von Aachen war er der führende Repräsentant des dort gepflegten höfischen Manierismus, in dem die italienische, niederländische und deutsche Kunstübung eine ganz spezielle Verbindung eingingen. Rudolph selbst verkörperte beispielhaft den Typus des kultivierten Liebhabers und Kenners, dem auch das Skurrile und Esoterische nicht fremd war. Eine Anforderung an den intellektuellen und akademisch ausgerichteten Hofmaler war die, mit Vorbildern und Bildzitaten virtuos schalten zu können und so gewissermaßen über den gesamten Fundus der modernen Kunstgeschichte souverän zu gebieten. Auf kleinster Fläche macht Heintz davon mit Anspielungen auf Antonio Correggio - die berühmte Dresdner Nacht - und Jacopo Tintoretto hier selektiven Gebrauch. Vor allem auch ist es Hans Holbein d. J., also ein Vertreter der längst vergangenen Dürer-Epoche, dem er aus der Distanz seine Bewunderung zollt. Aus dessen Oberried-Altar übernimmt Heintz die Figur des hinzutretenden Hirten mit dem breitkrempigen Hut. Dazu muss man wissen, dass der aufs Altdeutsche versessene Kaiser kurz zuvor den vergeblichen Versuch unternahm, Holbeins Tafeln, die ins Freiburger Münster gelangt waren, seiner Sammlung einzuverleiben. Sein weitgereister, international vernetzter Kammermaler wird dabei diskret oder auf offener Bühne mitgewirkt haben. Auch ein weiteres, 1599 datiertes Kupfertäfelchen des Malers, die Beschneidung Christi darstellend, ist im Besitz des Augustinermuseums. Beide maßgleichen Bilder könnten Bestandteile einer Folge zum Marienleben gewesen sein. Kupfer als Malgrund bot für die hier demonstrierte Feinmalerei und für deren materiellen Fortbestand allerbeste Voraussetzungen. (Detlef Zinke)

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