Simon Göser

Verehrung des Herzens Jesu durch zwei Jesuitenheilige, um 1780

Über das Objekt

Die barocke Herz-Jesu-Verehrung, die auf die Vision einer französischen Nonne zurückgeht, wurde von den Jesuiten besonders propagiert. Als Ordensvertreter dargestellt sind die Heiligen Aloysius von Gonzaga (links) und Johannes Berchmans. Der Altar stammt aus der Nepomukkapelle in Krozingen.
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Die auf Wolken thronende Muttergottes präsentiert das himmlische Kind. Vor seiner Brust schwebt, umgeben von einem Strahlenkranz, ein blutrotes Herz als Inbegriff der göttlichen Liebe. Es trägt eine klaffende Seitenwunde, wird von einer Dornenkrone umfasst und durch das Zeichen des Kreuzes bekrönt. So hatte eine französische Nonne 1673 nach eigenen Angaben in einer Vision den Heiland erblickt. Ein neuer, an spätmittelalterliche Glaubensformen anknüpfender Kult des Herzens Jesu entstand sogleich, als dessen eifrigste Propagandisten sich die Jesuiten hervortaten. Angehörige des Ordens sind es auch, die sich im Bilde dem Liebesund Passionssymbol verehrungsvoll zuwenden. Links im Chorrock erscheint Aloysius von Gonzaga, Sohn und Thronerbe des mantuanischen Markgrafen. Er hatte sich der römischen Pestkranken angenommen und fand durch Ansteckung 1591 selber den Tod. Auf der Gegenseite tritt auf der aus Flandern gebürtige Johannes Berchmanns, der sich in Rom in die Nachfolge Aloysius’ begeben hatte und 1621 gleichfalls in noch jugendlichem Alter verstarb. Oben im Auszug entsendet Gottvater die Taube des Heiligen Geistes. Der Oberschwabe Göser ließ sich 1765 im Breisgau nieder, wo er, nächst Wentzinger, eine künstlerisch herausragende Stellung einnahm. In seinem späteren Schaffen findet sich der Übergang vom verspielt-theatralischen Rokoko zu einer vereinfachten, beruhigteren Bildsprache verkörpert, die man der Epoche des sogenannten Frühklassizismus zurechnet. Davon zeugt auch das aus einer Kapelle in (Bad) Krozingen stammende Altarblatt, dessen kompositorischer Aufbau an Vorbildern der italienischen Hochrenaissance orientiert ist. Raffaels 1512 gemalte Madonna von Foligno ist hierfür das klassische Beispiel. (Detlef Zinke)

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