Oberrheinisch

Heilige Maria Magdalena, um 1250

Über das Objekt

Die Figur stammt wahrscheinlich aus dem Freiburger Reuerinnen-Kloster. Seine Patroziniumsheilige war die Sünderin und spätere Christus-Nachfolgerin Magdalena. Das Salbgefäß verweist auf das Einbalsamieren des Leichnams Jesu. Die Skulptur könnte zu einem Hl. Grab gehört haben, ist aber auch als Einzelbild vorstellbar.
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Maria von Magdala tritt im Neuen Testament auf als von Dämonen besessene Frau, die durch Jesus geheilt wird. Sie ist kirchlicher Tradition gemäß zugleich jene namenlose Sünderin, die von Christus Vergebung erfährt. Zudem gilt sie als diejenige der beiden bithynischen Schwestern, die als Verkörperung des beschaulichen Lebens nach den Worten des Herrn »den besseren Teil« erwählt hat. In der Folge wurde sie zur Begleiterin Jesu, die dann auch bei dessen Kreuzigung und Grablegung anwesend war. In der Absicht, seinen Leichnam zu salben, begab sie sich am Ostermorgen gemeinsam mit anderen Frauen zum Grab, um es, von Engeln bewacht, leer vorzufinden.Von allen Jüngerinnen und Jüngern begegnete der Auferstandene ihr schließlich als erste. Das weitere Schicksal Maria Magdalenas als Einsiedlerin und Büßerin fern der Heimat beschreibt die fromme Legende. Unter ihren Attributen ist das Salbgefäß das geläufigste. Die Statue entstammt vermutlich dem Reuerinnenkloster in Freiburg. Bei den vielerorts ansässigen Reuerinnen oder Magdalenerinnen fanden, wenn auch nicht ausschließlich, ehemalige Prostituierte Zuflucht, um fortan der Welt zu entsagen. Als Einzelfigur konzipiert, könnte die Magdalenenfigur die im Kloster verehrte Patrozinumsheilige repräsentiert haben. Doch ist auch ein szenischer Zusammenhang denkbar, wie er in der Anlage eines Heiligen Grabes oder Ostergrabes gegeben wäre. Dabei sind die Frauen mitsamt den Engeln um den aufgebahrten Leichnam Christi versammelt. In ihrer schlanken, aristokratischen Erscheinung weist die Statue nach Straßburg, wo um 1220/30 ein französisch geschulter Steinbildhauer am Südquerhausportal des Münsters die vorbildhaften und künstlerisch unübertroffenen Figuren von Ecclesia und Synagoge schuf. Als Schnitzfigur in der Nachfolge dieses Ecclesia-Meisters ist das Freiburger Werk singulär. (Detlef Zinke)

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