Oberschwäbisch

Zwei Szenen aus der Jakobuslegende, um 1520

Über das Objekt

Legende: Santiago-Pilger werden in einer Herberge zu Unrecht des Diebstahls beschuldigt, der gehenkte Sohn durch Jakobus vom Tode errettet, der meineidige Wirt bei ihrer Rückkehr schließlich selber gerichtet. Die von einem Flügelaltar stammenden Reliefs zeigen die Gefangennahme und Hinrichtung des Wirts.
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Ein deutsches Pilgerpaar begab sich ums Jahr 1090 mit seinem Sohn auf die Wallfahrt ans Grab des Jakobus in Santiago de Compostela im nordwestlichen Spanien. In einer Herberge zu Toulouse gerieten sie an einen verbrecherischen Wirt, der sie vor Gericht des Diebstahls bezichtigte, nachdem er selbst sie des nachts ausgeraubt und ein kostbares Gefäß in ihrem Gepäck versteckt hatte. Um den Vater zu retten, nahm der Sohn die Strafe des Erhängens auf sich. Wochen später, nachdem die Eltern den Heiligen in Santiago um Hilfe angefleht hatten, fanden sie bei ihrer Rückkehr den am Galgen hängenden jungen Mann noch immer am Leben, da ihn der heilige Jakobus unablässig gestützt hatte. Seine Unschuld offenbarte sich zuletzt dadurch, dass die gerade auf dem Spieß gebratenen Hühner im Hause des Richters, wie von diesem im Sinne eines Gottesurteils gefordert, lebendig davon flatterten. So ergriff man den verleumderischen Wirt, um ihn seinerseits zu richten und an Stelle des Jünglings aufzuknüpfen, wie die Legende des 12. Jahrhunderts erzählt. Die beiden Reliefs stellen die Gefangennahme (vormals einschließlich des Hühnerwunders) sowie die Hinrichtung des Wirts dar. Mit zwei weiteren Szenen - Der Wirt bei den Schlafenden (Wellesley / USA) und Jakobus stützt den Gehenkten (Konstanz) - besetzten sie einst die Innenseiten der Flügel eines Altarretabels, in dessen Schrein sich wohl eine Statue des Heiligen selbst befunden haben wird. Dabei ist an eine am Jakobsweg gelegene Kirche zu denken. Oberschwaben oder die Schweiz, wohin oberschwäbische Schnitzer seinerzeit komplette Flügelaltäre zu exportieren vermochten, kommen dafür in Betracht. (Detlef Zinke)

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