vor 1900

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In der Sammlung Brandeis gibt es verhältnismäßig wenige Waffen - viele davon stammen allerdings aus Nauru. So auch diese Wurf- oder Schlagwaffe aus schwerem Kokospalmenholz. Die Waffen verweisen dabei auf vorkoloniale Macht- und Herrschaftsstrukturen, wie auch auf die Gewaltgeschichte des Kolonialismus. Aus der Sicht der Kolonialmächte galt Nauru als eine besonders kriegerische Gesellschaft, deren „Pacificierung“ sich vor allem die deutsche Kolonialverwaltung als Leistung attestierte. In der Geschichtsschreibung wird hierbei jedoch vor allem auf die Rolle von sog. beach combern verwiesen: europäische Aussteiger, Schiffbrüchige, Deserteure und Glücksritter, die sich auf Nauru und anderen Inseln niederließen und oft gewaltsam Herrschaft ausübten. Durch ihren Einfluss kamen zunehmend große Mengen von Schusswaffen nach Nauru, die wiederum vorhandene Rivalitäten zwischen einheimischen Familienklans brutalisierten. Dies kulminierte im sog. „Zehnjährigen Krieg“ von 1878-1888, der aus einem nebensächlichen Streitfall entstand, durch eine Fülle von Blutfehden jedoch immer mehr eskalierte und Todesopfer forderte. Mit dem Auftreten des deutschen Reichs als Kolonialmacht im Oktober 1888 wurde die Gewalt durch komplette Entwaffnung der Bevölkerung beendet. In dieser Lesart brachte die deutsche Kolonialherrschaft Frieden nach Nauru - obwohl der Konflikt ohne imperialen Einfluss gar nicht erst hätte entstehen können. Autor: Godwin Kornes

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