Martin Schaffner

Jüngstes Gericht, um 1500

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Diese Tafel war die Schreinrückseite des ehemaligen Hochaltars in der Jakobuskirche in Pfullendorf. Verloren ist der Mittelstreifen mit dem richtenden Christus und den Posaune blasenden Engeln, welche die Toten auferwecken. Früher war es üblich, hinter dem Choraltar die Beichte abzulegen, wobei hier das Jüngste Gericht drastisch vor Augen geführt wurde.
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Eine Darstellung des göttlichen Endzeit-Gerichts bedeckt die fragmentarisch erhaltene Schreinrückseite vom einstigen Hochaltarretabel der Jakobuskirche in Pfullendorf. Die Mittelbahn ist verloren. Sie zeigte die Figur Christi als Weltenrichter, auf dem Regenbogen thronend, und die Engel, die durch das Ertönen der Posaunen die Toten erwecken. Glücklicherweise versetzt uns eine erhaltene Vorzeichnung in die Lage, die Komposition zu ergänzen. Maria und Johannes der Täufer an der Spitze des Apostelkollegiums sind himmlische Assistenten des finalen Geschehens, zwei weitere Engel weisen die Werkzeuge der Passion des Herrn vor. Von seinem Mund gehen die auf Spruchbändern verzeichneten Urteile aus, welche die Menschheit in „Verfluchte“ und „Gesegnete“ scheiden. Die Erlösten links unten werden von Petrus an der Pforte des Himmels empfangen, die Verdammten auf der Gegenseite erleiden die Qualen der Hölle und werden von teuflischen Wesen gepeinigt. Selbst ein Papst ist darunter zum Beweis dafür, dass Rang und Namen nun nicht mehr zählen. Als Ursache der Verdammnis ist die Vergnügungssucht durch Spielkarten und ein Brettspiel verdeutlicht, der Spiegel, der einer schönen Frau vorgehalten wird, steht für sündhafte Eitelkeit. Da die Priester in mittelalterlicher Zeit die Beichte noch hinter dem Hochaltar abnahmen, musste das Thema des Weltgerichts hier als besonders geeignet erscheinen. Martin Schaffner, der sich als bedeutendster Maler der Stadt Ulm etablieren sollte, wird bei den Seligen in einigen Portraitköpfen fassbar. Sie lassen deutlich erkennen, dass sich der noch junge Mann den Augsburger Hans Holbein d. Ä. zum Vorbild erwählte. (Detlef Zinke)

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