Oberrheinisch?

Drachen-Papageien-Teppich, um 1330

Über das Objekt

Dieser aus dem Dominikanerinnenkloster Adelhausen in Freiburg stammende Teppich diente ursprünglich als Bank- oder Wandbehang. Er setzt sich aus zehn gleichartigen, aus Wolle gewirkten Platten zusammen. Die Tiermotive – Papageien und drachenartige Monster – gehen vermutlich auf orientalische Vorbilder in der Textilkunst zurück. Ob sie eine religiöse Bedeutung haben, ist ungewiss.
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Wie der Weiberlistenteppich befand sich der auf seine Art nicht minder eigentümliche, einzigartige Bank- oder Wandbehang zuletzt im Dominikanerinnen-Neukloster Adelhausen. Aus zehn nahezu quadratischen und weitgehend identischen Platten zusammengesetzt, mag er ursprünglich sogar noch ausladender gewesen sein; eine weitere Einzelplatte ist in Glasgow erhalten. Vier Maßwerk-Medaillons prägen das sich vielfach wiederholende Muster. Jeweils abwechselnd sind darin gegenständige Papageien, Rücken an Rücken, sowie drachenartige Monster dargestellt. Das ausgeschiedene Feld in der Mitte wird von einem vorderansichtigen Löwenkopf eingenommen, stilisierter Efeu füllt die verbleibenden Zwickel. Motivverwandtschaften sind in der zeitgleichen Textilkunst, der Buch- und Glasmalerei und in mobilen Werken der Kleinkunst zu finden, wobei französisches Vergleichsmaterial überwiegt. Ihren Ursprung haben die Darstellungen freilich in der Bildwelt des Orients und könnten durch Seidenstoffe den Europäern zur Kenntnis gelangt sein. Ob man den Tierbildern eine religiöse Bedeutung unterlegt hat, ist nicht zu entscheiden. Der Papagei galt beispielsweise als Mariensymbol, weil dem sprachbegabten Vogel nachgesagt wurde, mit dem Wort „Ave“ zu grüßen. Dies ist die Anredeformel des Verkündigungsengels, die in umgekehrter Buchstabenfolge die Urmutter Eva und damit auch die ‚neue Eva‘, die Jungfrau Maria, benennt. (Detlef Zinke)

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