Oberrheinisch

Malterer- oder Weiberlistenteppich, 1320/30

Über das Objekt

Der Bankbehang stammt aus dem Dominikanerinnenkloster St. Katharina in Freiburg. Er weist das Wappen der Stifter, Johannes und Anna Malterer, auf. Vier Doppelszenen zeigen, wie exemplarisch starke oder berühmte Männer, vom biblischen Altertum bis in die Ritterzeit, durch die Liebe zu einer Frau Schaden erleiden. Das Bildprogramm entstammt dem Thema der „Weiberlisten“. Zu sehen sind von links nach rechts: Samson, Aristoteles, Vergil, Iwein.
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Der Malterer-Teppich zählt zu den beliebtesten, auch international bekannten Werken des Augustinermuseums und weckt seiner Bildfolge wegen immer wieder das Interesse der Forschung. In acht Vierpass-Medaillons, paarweise im Schema eines Vorher-Nachher aufeinander bezogen, veranschaulicht er, wie exemplarisch starke oder berühmte Männer durch die Liebe zu einer Frau Schaden erleiden - von der alttestamentlichen Zeit über die griechisch-makedonische und römische Epoche bis in die vom Rittertum geprägte Gegenwart des Künstlers reichend. (1) Samson erlegt mit bloßen Händen den Löwen. (2) Dalilah schneidet dem Schlafenden das Haar ab und beraubt ihn so seiner Kraft. (3) Der große Gelehrte Aristoteles verliebt sich in eine Hofdame Alexanders d. Gr. (4) Phyllis erniedrigt den alten Mann in der Folge zum Reittier. (5) Der römische Dichter Virgil verabredet ein Stelldichein mit der Tochter des Kaisers Augustus. (6) Sie lässt ihn des nachts in einem Korb an ihrem Wohnturm herabbaumeln. (7) Der Löwenritter Iwein erschlägt in einem ritterlichen Zweikampf König Askalon, den Herrn des Waldes. (8) Er verliebt sich in dessen Witwe Laudine und schwört ihr die Treue, wird aber später durch sie vor seinem Herrn König Artus entehrt, weil er gegen sein Gelöbnis verstößt. (So schildert es die Dichtung des Hartmann von Aue, die dem zeitgenössischen Betrachter gegenwärtig sein musste, weil das Bild nur die Vorgeschichte erzählt.) In einem neunten, für sich stehenden Medaillon erblickt man eine junge Frau, die das wilde Einhorn in ihrem Schoße bezähmt - nach christlich-allegorischem Verständnis ein Symbol für die jungfräuliche Empfängnis Marias. Der einst als Bankbehang verwendete Teppich befand sich anfangs vermutlich im Freiburger Dominikanerinnenkloster St. Katharina. Dorthin mag er trotz seiner weltlichen Thematik gestiftet worden sein. Hinter Klostermauern konnte sie immerhin auch geistlich im Sinne der Schwestern ausgelegt werden, die ihr Lebensmodell dadurch als das wahre und gute wahrnahmen. Das zweimal auftretende Stifterwappen ist das des hiesigen Adelsgeschlechts der Malterer. Als Personen sind Johannes und Anna benannt. (Detlef Zinke)

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