Barthélemy Joseph Fulcran Roger

Daphnis entfernt eine Zikade aus Chloes Kleid, 1800

Über das Objekt

Das Blatt ist eine Illustration zur Schäferdichtung „Les Amours pastorales de Daphnis et de Chloé“ (Die pastorale Liebe von Daphnis und Chloe) des antiken griechischen Autors Longos. Dort hüten die Findelkinder Daphnis und Chloe gemeinsam ihre Tiere vor idyllischer Kulisse. Daphnis entfernt zärtlich eine Zikade, die sich zwischen Chloes Brüsten versteckt hat. Prud’hon schildert hier die erwachende Liebe des jungen Hirtenpaars.
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Dieses Blatt ist Teil der von Prud’hon und Gérard realisierten Illustrationsfolge für die 1800 erschienene Ausgabe der „Amours pastorales de Daphnis et de Chloé“ (Die pastorale Liebe von Daphnis und Chloe), einem zwischen dem 2. und 3. Jahrhundert verfassten Schäferroman des griechischen Autors Longos. Die Erzählung spielt in der ländlichen Umgebung von Mytilini auf der Insel Lesbos. Sie handelt von der aufkeimenden Liebe zwischen den zwei Findelkindern Daphnis und Chloe, das eine entdeckt von einem Ziegenhirten, das andere von einem Schäfer. Als Daphnis 15 Jahre alt ist und Chloe 13, werden ihre beiden Adoptivväter im Traum aufgefordert, ihre Kinder dem Liebesgott Amor zu übergeben, der ihre Verbindung vorherbestimmt hat. Von da an führen sie ein friedvolles Leben, hüten und versorgen gemeinsam ihre Tiere und widmen sich Kinderspielen. Sie schließen einander immer mehr ins Herz und entdecken Liebe und Lust. Nach vielen Irrungen und Wirrungen finden Daphnis und Chloe am Ende der Erzählung ihre jeweiligen richtigen Eltern wieder: reiche Aristokraten aus der Stadt, die sie bei der Geburt ausgesetzt hatten. Die jungen Leute feiern Hochzeit und kehren danach zu ihrem einfachen und idyllischen Hirtendasein mit ihren Tieren in der freien Natur zurück. Der im 16. Jahrhundert durch den Humanisten Jacques Amyot (1513-1593) ins Französische übersetzte Roman zählt zu jenen Werken der antiken Schäferdichtung, welche die Autoren des 17. und die Künstler des 18. Jahrhunderts nachhaltig beeinflusst haben. 1718 erschien eine Ausgabe mit einer Illustrationsfolge, die Benoît Audran (1661-1721) nach Gemälden des Regenten Philippe d’Orléans auf Kupfer übertrug. Diese Stiche, die zu den ersten Illustrationen literarischer Texte im 18. Jahrhundert zählen, wurden im Laufe des Jahrhunderts in mehreren Folgeausgaben des Romans immer wieder verwendet. Die im Jahr 1800 erschienene Ausgabe, zu der Pierre-Paul Prud’hon und François Gérard die Bilder beisteuerten, war schließlich eines der letzten großen bebilderten Werke des 18. Jahrhunderts. Diese Graphik nach einer Bilderfindung Prud’hons - die erste der Illustrationsfolge - zeigt das junge Paar vor einer ländlichen, hügeligen Kulisse. Der an einen Baum gelehnte Daphnis beugt sich über Chloe und greift mit seiner Hand in ihr Dekolleté, um eine Zikade zu entfernen, die sich zwischen den Brüsten der Schäferin versteckt hat. Neben den beiden erkennt man den Hirtenstab und die Flöte von Daphnis, im Hintergrund ruhen die Schafherden im Schatten hoher Bäume. Der Künstler schildert hier die erwachende Liebe und Sinnlichkeit der beiden Figuren mit einer Anmut und Zartheit, wie sie charakteristisch für das ausgehende 18. Jahrhundert sind. Zugleich weisen die Wuchtigkeit der Faltenwürfe und der Körperformen, die durch Hell-Dunkel-Effekte plastisch betont werden, bereits auf den aufkommenden Klassizismus hin. Text: Hélène Iehl Übersetzt aus dem Französischen von: Tamara Engert

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