Charles-Nicolas Cochin

Äsop zeigt auf die Büste von La Fontaine (Frontispiz), 1755

Über das Objekt

Das Frontispiz zeigt die Büste La Fontaines im Wald auf einem Sockel, um den sich der antike Fabeldichter Äsop und mehrere Tiere, die Akteure der Fabeln, versammelt haben. Mit ihren 277 Illustrationen von außerordentlicher Qualität stellen die vier Bände einen Höhepunkt der französischen Buchillustration des 18. Jahrhunderts dar.
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Als 1755 der erste Band der illustrierten Ausgabe der ausgewählten Fabeln in Versen von Jean de La Fontaine vom Verleger Montenault herausgebracht wurde, war dieses Werk bereits ein Klassiker, das seit der Erstausgabe 1668 zahlreiche Auflagen erlebt hatte. Die auf vier Foliobände angelegte Edition stellt wegen der außerordentlichen Qualität von Druck und Kupferstichen einen Höhepunkt in der Geschichte der französischen Buchillustration des 18. Jahrhunderts dar. Die 277 Illustrationen basieren auf Zeichnungen des königlichen Jagdmalers Jean-Baptiste Oudry, die dieser zwischen 1729 und 1734 ausgeführt hatte. Sie wurden von Montenault erworben und von Charles-Nicholas Cochin für die Umsetzung in das druckgraphische Medium kopiert, denn die Zeichnungen des Malers erschienen als direkte Vorlagen für die Stecher ungeeignet. Cochin hatte auch die künstlerische Leitung des gesamten Unternehmens inne. Das Frontispiz zeigt die Büste des Autors im Wald auf einem Sockel, um den sich ein kleinwüchsiger Mann - der antike Fabeldichter Äsop - und mehrere Tiere, die Protagonisten der Fabeln, versammelt haben. Auf die Tiere blickend, weist Äsop auf die Büste La Fontaines. Drei Affen haben diese mit einer Blumengirlande geschmückt, sind im Begriff, sie mit einem Lorbeerkranz zu krönen und eine Draperie über ihr zu dekorieren, wobei sie von einem Adler Unterstützung erhalten. Es ist kein Zufall, dass Affen die Büste mit den Insignien des Ruhms schmücken, verweisen sie doch auf ein berühmtes lateinisches Motto, nämlich “ars simia naturae“. Es besagt, dass die Kunst der “Affe der Natur“ sei, jene also die Natur nachahme. Seit der Renaissance hat dieses Motto den Affen zu einem Emblem für die bildende Kunst werden lassen. Der Adler, der den Vorhang mit seinen Klauen festhält, ist das Tier des antiken Gottes Zeus und verweist damit auf den (literarischen) Olymp, auf dem La Fontaine im 18. Jahrhundert bereits einen Ehrenplatz innehatte. Im Frontispiz wird somit die Dichtkunst in Form der Büste von den Affen, die für die bildende Kunst stehen, bekrönt. Text: Dr. Stefan Morét

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