Katsushika Hokusai

Gedicht des Kaisers Tenchi aus der Serie »Hundert Gedichte von hundert Dichtern, von der Amme erklärt«, 1835

Über das Objekt

Dieser Druck, in dem Hokusai mittels einer Landschaftsdarstellung ein Gedicht interpretiert, das mehr als 1000 Jahre zuvor entstanden ist, und den Moment der herbstlichen Reisernte darstellt. Die Pfade der Bauern schlängeln sich über die Bildflache und sorgen auf beiden Seiten für Bewegung. Die Vielschichtigkeit des Druckes wird von den Dunstschwaden am Horizont, die die Komposition zusammenhalten, noch erhöht.
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Im Gegensatz zu anderen Druckfolgen Hokusais war der Serie, zu der diese Arbeit gehört, kein Erfolg beschieden. Nur 27 der ursprünglich geplanten 100 Drucke wurden realisiert; weitere 46 Entwürfe sind nur im Zustand vorbereitender Zeichnungen erhalten. In der Serie sollte jedes der einhundert Gedichte aus der Anthologie Ogura hyakunin isshu mit einem Druck von Hokusai kombiniert werden. Seit fast einem Jahrtausend gehören diese Gedichte zum kollektiven Gedächtnis der Japaner; sie werden noch immer auswendiggelernt und dienen als Grundlage von Neujahrsspielen. Dieser Druck, in dem Hokusai ein Gedicht, das mehr als eintausend Jahre zuvor entstanden ist, mittels einer Landschaftsdarstellung interpretiert, offenbart die reichhaltige Einbildungskraft des Künstlers. Er illustriert die folgenden Verse des Kaisers Tenji (626-671): In den Herbstfeldern suche ich Zuflucht in einer Hütte, nun werden meine Ärmel durchnässt vom Tau der über das Schilfdach eindringt Hokusai stellt den Moment der herbstlichen Reisernte dar. In Detailwiedergabe und Kolorierung handelt es sich um einen komplexen Entwurf. Die Pfade der Bauern schlängeln sich über die Bildfläche und sorgen auf beiden Seiten für Bewegung. Die Vielschichtigkeit des Drucks wird von den Dunstschwaden am Horizont, die die Komposition zusammenhalten, noch erhöht. Genau wie in dem Bild Der Suwa-See in der Provinz Shinshu aus der Serie 36 Ansichten des Berges Fuji, das ebenfalls in der Ausstellung vertreten ist, wird die Darstellung von einer zentralen Baumgruppe dominiert - in diesem Falle von Laubbäumen. Die Reisernte galt kulturenübergreifend schon seit langem als symbolischer Gradmesser für die Beurteilung eines Herrschers. Folgte die Herrschaft des Kaisers oder Königs den göttlichen Geboten, wurde das Land mit einer ertragreichen Ernte gesegnet. In der Darstellung klingt diese uralte Symbolik in den mächtigen Reisgarben, die von den Bauern eingebracht werden, an: Sie sind so schwer, dass sich die hölzernen Tragstangen biegen und die Bauern mit der Last zu kämpfen haben. Literatur: Peter Morse, Bilder zu hundert Gedichten von hundert Poeten, München 1993.

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