Südwestdeutsch

Gekreuzigter Christus, 1. Hälfte 12. Jahrhundert

Über das Objekt

Das Bildwerk, dessen Kreuz verloren ist, vertritt den alten Vier-Nagel-Typus. Bei ihm sind Hände und die parallel gesetzten Füße Christi jeweils einzeln durchbohrt. In späterer Zeit werden die Füße übereinander gelegt (Drei-Nagel-Typus). Die Figur stammt aus Oberwittstadt bei Bad Mergentheim. Ihre Farbfassung ist nicht erhalten.
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Erst vom 5. Jahrhundert an sind Darstellungen des Gekreuzigten überliefert, für die frühen Christen hatten sie offenbar noch keine Bedeutung. Dabei mag die Erinnerung an das besonders Schmachvolle der Hinrichtungsart den Ausschlag gegeben haben, war sie doch vor allem Schwerverbrechern und Hochverrätern zugedacht. Hinzu kommt, dass es keine heidnisch-antike Bildtradition gab, an die man, wie gewohnt, hätte anknüpfen können. Immerhin galt es, einen völlig neuartigen und widersprüchlichen Gedanken anschaulich werden zu lassen, den des Todes als Sieg über den Tod. Beide Naturen, die menschliche wie die göttliche, finden nach der Lehrmeinung des Konzils von Chalkedon, 451, »unvermischt« und »ungetrennt« in der Person Jesu zusammen. Nicht als Gegensätze begreifbar, bezeichnen sie die gesamte Spannweite des künstlerischen Ausdrucks. Der wahrhaft Leidende mit seiner menschlichen Leiblichkeit wird vor allem im 14. Jahrhundert, und hier auf extrem drastische Weise, vergegenwärtigt, ist aber auch schon vor der Jahrtausendwende anzutreffen, in der griechisch-orthodoxen Welt ohnehin. Das bevorzugte Bild der Romanik hingegen ist Christus als Triumphator. Oftmals sind seine Augen geöffnet, eine Krone kann ihm sogar königliche Würde verleihen. Bis zur Mitte des 12. Jahrhunderts und darüber hinaus hielt man am Vier-Nagel-Typus fest, gekennzeichnet dadurch, dass die Beine parallel geführt sind, die Füße einzeln genagelt. So wie hier ruhen sie in der Regel auf dem suppedaneum, einem unterstützenden Keil. Das Bildwerk entstammt der später erbauten Bonifatius-Kapelle in Oberwittstadt nahe Bad Mergentheim. Seiner farbigen Fassung beraubt, vermittelt es nur noch eine vage Vorstellung der einstigen Wirkung. Die jetzt äußerst reduziert anmutende Plastizität des zerbrechlich schmalen Leibes könnte beispielsweise durch aufgemalte Licht- und Schattenangaben illusionistisch akzentuiert worden sein.

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