Seeschwäbisch

Maria eines Vesperbildes, 1330/40

Über das Objekt

Die in der Fußzone fragmentierte Figur entstammt dem Liebfrauenmünster in Radolfzell am Bodensee. Der zugehörige Leichnam Christi ist verloren. Die Radolfzeller Pietà galt lange Zeit als ältestes erhaltenes Vesperbild im südwestdeutschen Raum. Die blutunterlaufenen Augen Marias sind ihr eindrücklichstes Merkmal.
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Maria hält den Kopf tief gesenkt und richtet den Blick dorthin, wo sie einst ihren toten Sohn auf dem Schoß umfing. Die Hände mit den Ansätzen der Unterarme sind verloren, desgleichen das Sockelbrett der Sitzbank und die unter dem Kleid hervortretenden Füße. So wirken die Proportionen der Figur, sehr im Widerspruch zur künstlerischen Absicht, ein wenig gestaucht. Dennoch: Trotz seines fragmentarischen Charakters zählt das Bildwerk zu den schönsten und anrührendsten seiner Gattung. Dies ist vor allem der Arbeit des Fassmalers zu verdanken, der dem Schmerz und der Trauer Marias wahrhaft bewegenden Ausdruck zu geben vermochte: Rote, blutunterlaufene Augen und plastische, blutige Tränen machen das seelische Leid sichtbar. Der Leib Christi war in halb liegender, halb sitzender Position auf den Schenkeln der Mutter verdübelt. Fast kindhaft klein war er gebildet, wie uns eine in Rottweil befindliche Nachbildung zeigt. Offenbar anders als hier, konnte dort der Leichnam für die Zwecke des liturgischen Schauspiels sogar abgenommen werden, wohl um die Position des Gekreuzigten einzunehmen. Als Herkunft des Vesperbilds ist das Radolfzeller Münster bezeugt. Lange Zeit galt es als das älteste erhaltene aus dem südwestdeutschen Raum. (Detlef Zinke)

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