Oberschwäbisch

Christus-Johannes-Gruppe , 1320/30

Über das Objekt

Die Skulptur zeigt den „jungfräulichen“ Lieblingsjünger Johannes mit Jesus nach mittelalterlichem Verständnis. Wie eine „Braut“ ruht er an der Brust des Herrn. Bildwerke solcher Art wurden ausschließlich in südwestdeutschen Frauenklöstern verehrt. Diese Figurengruppe stammt aus dem Zisterzienserinnen-Kloster Wald bei Meßkirch.
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In ihrer regionalen und zeitlichen Verbreitung zwar deutlich begrenzt, sind plastische Christus-Johannes-Gruppen als eine der charakteristischen Bildprägungen mittelalterlicher Mystik zu werten. Aus ihrer Blütezeit, vom Ende des 13. bis zur Mitte des 14. Jahrhunderts, hat sich kaum mehr als ein Dutzend Bildwerke unterschiedlicher Größe erhalten, die allesamt dem schwäbisch-alemannischen Raum entstammen. Hier wurde dem jugendlichen, ‚jungfräulichen‘ Evangelisten Johannes in klösterlichen Frauengemeinschaften besondere Verehrung zuteil. Für die Freiburger Gruppe ist die Herkunft aus dem Zisterzienserinnenkloster Wald bei Meßkirch bezeugt. Wie die Mehrzahl der Werke geht sie auf das für Kloster St. Katharinenthal im Aargau (Schweiz) geschaffene, lebensgroße Urbild eines Meisters Heinrich von Konstanz zurück (Antwerpen, Museum Mayer van den Bergh). Christus und sein Lieblingsjünger sitzen dicht beieinander. Johannes’ Kopf ist schlafend oder träumend an die Brust Jesu gelehnt, dieser wiederum hat eine Hand fürsorglich auf die Schulter des Gefährten gelegt. Die beiden rechten Hände waren ursprünglich ineinander verschränkt und brachten das innige Verhältnis der Personen auf einfühlsame Weise zum Ausdruck. Die intime Szene ist im Abendmahlsbericht des Johannes literarisch vorgeformt, erhält in der Konzentration auf die Zweiergruppe aber einen zusätzlichen Sinn. Gemeint sind Braut und Bräutigam entsprechend dem allegorischen Verständnis, welche die Lesart des Hohenliedes Salomonis und seiner Liebeslyrik bestimmte. In der ‚Jungfrau‘ Johannes fanden die Klosterfrauen das ersehnte Objekt ihrer Identifikationsbereitschaft, in der Gleichsetzung mit ihm konnten sie sich der zärtlichen Fürsorge ihres Gemahls im Himmel versichern. (Detlef Zinke)

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