Fritz Reiss

Das Geheimnis, undatiert

Über das Objekt

Eine Szene wie aus dem Alltag gegriffen: Die zwei Mädchen wurden offenbar von dem jungen Mann bei der Feldarbeit unterbrochen. Was flüstert die Eine der Anderen wohl ins Ohr? Ist der Junge das Thema des Gesprächs? Dies bleibt ihr Geheimnis. Reiss illustrierte zahlreiche Bücher und fertigte Motive für Postkarten und Reklame.
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Was flüstert das Mädchen dem anderen wohl ins Ohr? Es scheint etwas Amüsantes zu sein, denn das vordere Mädchen lächelt schelmisch. Der danebenstehende junge Mann beobachtet die beiden Mädchen erwartungsvoll grinsend - vielleicht geht es um ihn, um eine Bemerkung, die er kurz zuvor gemacht hatte? Seine selbstbewusste Körperhaltung und sein frecher Blick lassen den Schluss zu, dass er das eigentliche Thema des Gespräches ist. Dennoch wird vermutlich weder er noch der Betrachter des Bildes den Inhalt je erfahren, denn wie der Titel verdeutlicht, bleibt es ein Geheimnis. Die Szene scheint wie aus dem Alltag des Schwarzwaldes herausgegriffen. Das vorne stehende Mädchen hält eine Heugabel in den Händen. Die beiden jungen Frauen tragen Arbeitskleidung: grobe Schuhe, Baumwollröcke und Schürzen, außerdem Tücher um den Kopf gebunden. Offenbar wurden sie von dem jungen Mann überrascht und halten gerade in ihrer Arbeit inne. Die weite Landschaft lässt den Blick in die Ferne zu und fungiert eher dekorativ, sodass die Dreiergruppe fast wie auf einer Theaterbühne zur Geltung kommt. Der pastellige, teils fleckige Farbauftrag mit den vielen Braun- und Rottönen verleiht dem Bild eine gelockerte und friedliche Atmosphäre, die gut zu der gelösten Stimmung der Gruppe passt. Eine Szene wie sie - bis auf die Kleidung - könnte auch heutzutage überall stattfinden, wo junge Leute zusammentreffen und miteinander flirten. In dieser erzählerischen und fast humorvollen Art und Weise gestaltete der Maler Fritz Reiss zahlreiche seiner Bilder. Reiss studierte an der Akademie in Düsseldorf und schloss sich später der Künstlerkolonie Gutach im Schwarzwald an, deren Mitglieder unter anderem Wilhelm Hasemann und Curt Liebich waren. Anliegen dieser Vereinigung war es, die reiche Kultur, das Land, das Leben und die Leute in der Schwarzwaldregion bildnerisch festzuhalten. Fritz Reiss illustrierte in diesem Stil auch Postkarten, Bücher und Werbeplakate, wie der Reklame-Entwurf Schwarzwälder Kaffeekränzchen zeigt, auf dem derselbe selbstbewusste junge Mann mit Pfeife wiederzufinden ist. MIRJA STRAUB

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