Pansy Napangati

o.T., vor 1990

Über das Objekt

Die moderne Acrylmalerei der Aborigines präsentiert seit den 1970er Jahren die Geschehnisse und Geschichten der sogenannten Traumzeit, die Entstehung der Welt in der Vorstellung der Aborigines. Hier, in diesem Gemälde von Pansy Napangati, wird die Reise der Ahnen in der Landschaft von oben dargestellt: Wasserlöcher als Orte sowohl mythologischen Geschehens, als auch konkreter lebensnotwendiger Ressourcen in der Landschaft, sind dargestellt durch konzentrische Kreise. Die sitzenden Männer mit ihren Waffen zeigen sich in U-Form. Die Bilder sind gleichzeitig Abbild der Vergangenheit und Wegweiser in der Gegenwart. Mit ihnen entstand die bedeutendste Kunstbewegung Australiens, die die Kunst der Aborigines international bekannt machte.
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Zwei alte Männer sitzen an der Quelle Ilpilli westlich von Papunya, einer trostlosen, von der australischen Regierung gegründeten Siedlung in der Wüste. Der konzentrische Kreis in der Mitte zeigt die Quelle, die wellenförmigen Linien das Wasser, das aus ihr fließt. Die Männer, erkenntlich an den U-förmigen Linien, spinnen Haar - die weißen Linien vor ihnen - für eine Zeremonie. Neben ihnen ihre Waffen: Schilde, Keulen, Speere und Bumerangs, die die Künstlerin Pansy Napangati deutlich wiedergibt - andere Elemente des Bildes sind dagegen für Unkundige nicht interpretierbar. Die Kunst der australischen Aborigines ist beweglich geworden. Nicht mehr nur auf Fels, Sand oder Körpern finden sich die Kreise und Linien, die seit der Besiedlung des Kontinents - mindestens 40 000 Jahre - existieren, sondern auf transportable Leinwand mit Acryl gemalt. Initiiert wurde diese künstlerische Ausdrucksform, die eine der erfolgreichsten indigenen Kunstbewegungen zur Folge hatte, durch den Kunstlehrer Geofffrey Bardon, der 1971 Acrylfarben für seine Schüler nach Papunya brachte. Doch die Erwachsenen griffen zum Pinsel und malten ihre Sicht des Kontinents. Und zwar aus einer ungewöhnlichen Perspektive: von oben, als Karte der Landschaft, durchzogen von Wegen und bedeutenden Orten - den Linien und Kreisen - Spuren der Entstehung der Welt, die nach dem Glauben der Aborigines bis in unsere Gegenwart hinein wirkt - in Ermangelung einer treffenderen Übersetzung der verschiedenen Aboriginebegriffe "Traumzeit" genannt. Die so entstandenen Bilder manifestieren das Wissen um die Geschehnisse in der Traumzeit, das auch in anderen Formen präsentiert und belebt werden kann, so etwa in Liedern, Geschichten, oder auch Tänzen. Margarete Brüll

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