Charles-Nicolas Cochin

Engelskonzert, 1759

Über das Objekt

Die vorliegende detaillierte Zeichnung diente als Vorlage für eine Druckgraphik - genauer eine Vignette zu dem Gedichtband „Poésies sacrées et philosophiques tirées des Livres Saints“ (Heilige und philosophische Gedichte aus den Heiligen Schriften) von Le Franc de Pompignan. Trotz des kleinen Formats erreicht der Künstler eine starke Raumwirkung, indem er die Engelsgruppen dem Vorder- bzw. Mittelgrund zuordnet. Besonderes Können verrät der gewagte Blick auf die Köpfe zweier Engel durch die Seiten der Harfe.
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Die kleinformatige, mit feinsten Linien in Graphitstift ausgeführte Zeichnung diente als Vorlage für die Titelvignette eines Buches - und zwar für die zweite, 1763 erschienene Ausgabe der Poésies sacrées et philosophiques, tirées des Livres Saints (Heilige und philosophische Gedichte aus den Heiligen Büchern) von Jean-Jacques Le Franc, Marquis de Pompignan (1709-1784). Heutzutage nahezu in Vergessenheit geraten, ist dieser Schriftsteller allenfalls noch als Gegner der Philosophen der Aufklärungen bekannt - hauptsächlich als Opfer der Verhöhnungen Voltaires. Die Poésies sacrées, welche 1751 zunächst in vier Büchern mit jeweils zehn Gedichten erschienen waren, basieren auf der Übersetzung biblischer Texte aus dem Hebräischen. In der zweiten, erweiterten Ausgabe von 1763 hat Le Franc seine poetischen Interpretationen kunstvoll in 85 Gedichte umgesetzt, die er in fünf Bücher gliederte. Charles-Nicolas Cochin zeichnete für jene Ausgabe sieben Vignetten: eine Widmungsvignette (vignette de dédicace) und sechs Titelvignetten - eine für die Einleitung (Discours préliminaire) und jeweils eine für jedes der fünf Bücher. Die Komposition der vorliegenden Zeichnung, welche das vierte Buch mit dem Titel Hymnes (Hymnen) illustriert, stellt ein himmlisches Konzert dar. Auf den Wolken links und rechts im Vordergrund bilden jugendliche Engel mit Musikinstrumenten einen Halbkreis und wenden dem Betrachter den Rücken zu. Die Gruppe gibt dabei in der Mitte den Blick frei auf eine große Zahl singender Engelsputten und Cherubim. Die stilistischen Merkmale des Blattes, wie die äußerst feine, nuancenreiche Modellierung der Figuren mit ihren jeweiligen Licht- und Schattenpartien, sind typisch für den Stil Cochins: Anders als die meisten seiner Zeitgenossen hat der Zeichner Entwürfe zu druckgraphischen Werken nicht in der Technik der lavierten Federzeichnung ausgeführt. Dank seiner virtuosen Beherrschung von Graphitstift und Kreide war er in der Lage, allein mit zeichnerischen Mitteln feinste Abstufungen sowohl in den hellen als auch den dunklen Partien seiner Kompositionen zu erreichen. Text: Dr. Stefan Morét / Hélène Iehl

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