Charles Nicolas Cochin

„L’Amour au théâtre italien.“ (Die Liebe im italienischen Theater), 1734

Über das Objekt

Einige Figuren der „Commedia dell’Arte“ haben sich im Mondlicht versammelt. In ihrer Mitte spielt der Pierrot eine Serenade auf der Gitarre. Handelt es sich um die Schlussszene einer nächtlichen Aufführung? Für das zugrundeliegende Gemälde von 1715/17 wurde Watteau inspiriert durch die Rückkehr der „Commedia dell’Arte“ auf die Pariser Theaterbühne 1716.
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Auf der Graphik „L’Amour au théâtre italien“ nach dem gleichnamigen Gemälde Watteaus, zu dem ein Gegenstück namens „L’Amour au théâtre françois“ existiert (beide: Gemäldegalerie, Berlin), sind Figuren der Commedia dell’Arte versammelt. Sie sind so gruppiert, als handele es sich um einen Moment nach dem Schlussapplaus einer nächtlichen Theateraufführung im Mondlicht. Im Zentrum spielt der französische Pierrot in einer etwas steifen Haltung eine Serenade auf der Gitarre. Gesteht er der eleganten Dame neben sich seine Gefühle? Zumindest lassen die Verse des Dichters Pierre-Charles Roy (1683-1764), die unter der Graphik zu lesen sind, auf komplizierte Liebes-Ränkespiele schließen. Unter den anderen Personen erkennt man links den gelehrten Dottore mit seiner aufgesetzt besserwisserischen Haltung und rechts den Diener Mezzetino, der mit seiner Fackel die Szene beleuchtet. Im Hintergrund verbiegt sich Harlekin, um der Flamme auszuweichen. Dieses Blatt wurde nachträglich koloriert, wahrscheinlich von einem Sammler, der den Kostümen auf diese Weise die schillernde Farbigkeit des Gemäldes zurückgeben wollte. Watteau zeichnet hier die einzelnen Figurentypen der Commedia dell’Arte mit ihrem charakteristischen Gebaren nach, ohne dabei auf ein konkretes Theaterstück Bezug zu nehmen. Somit bleibt der Inhalt der Darstellung unklar, da man nicht weiß, ob die nächtliche Szenerie real oder gespielt ist. In jedem Fall verleihen die intime Atmosphäre und die Natürlichkeit der Personen dem Geschehen viel Lebendigkeit. Zur Ausführung des um 1715/17 datierten Gemäldes wurde Watteau wohl durch die Rückkehr der Commedia dell’Arte auf die Pariser Bühnen inspiriert. Nachdem sie 1697 verboten worden war, erteilte der Herzog von Orléans der in Paris spielenden Truppe 1716 wieder eine Auftrittserlaubnis und beendete damit das Monopol der Comédie-Française. In der Zeit des Verbots hatten die Schauspieler des Jahrmarkttheaters die Szenarien, Masken und Darstellungsweise der italienischen Spieler übernommen. Text: Hélène Iehl Übersetzt aus dem Französischen von: Tamara Engert

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