Oberrheinisch

Anbetung der Könige, um 1470/80

Über das Objekt

Maria sitzt im Vordergrund vor einer Stallarchitektur, aus der Josef heraustritt. Das sich verspielt bewegende Jesuskind hält sie auf ihrem Schoß. Es beugt sich nach links, wo ursprünglich der älteste König vor ihm kniete. Dieser ging verloren und fehlt heute in der Szene. An dessen Stelle finden sich modern ergänzt ein Körbchen und die Beine des dahinter stehenden Königs. Die beiden erhaltenen Könige, in kostbare Gewänder gekleidet und mit prachtvollen Kronen, präsentieren ihre Gaben in goldenen Gefäßen. Das fein modellierte Stuckrelief steht beispielhaft für die oberrheinische Kunst des späten 15. Jahrhunderts. Die Komposition, die artifiziellen Haltungsmotive und die kunstvollen Gewandungen verweisen auf Kupferstiche des Meisters E.S. und Martin Schongauers. Zeitlich und stilistisch kann das Werk in der Nachfolge Niclaus Gerhaerts von Leyden angesiedelt werden. Dessen neue Kunstauffassung war prägend für die darauf folgende Skulpturenproduktion der Spätgotik. Das Relief gehört zu einer Gruppe ähnlich großer Darstellungen aus dem Marienleben und der Passion Christi. Diese wurden in oberrheinischen Werkstätten zumeist in Stuck, aber auch in Ton und Cartapesta (Pappmaché) gefertigt. Bei dem vorliegenden Stück handelt es sich um das letzte erhaltene Exemplar mit diesem Motiv. (Eva Maria Breisig)

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