Reliquienkästchen

Reliquienkästchen mit Szenen der Passion Christi , 1530

Über das Objekt

Das kostbare Kästchen in Form eines kleinen Hauses war dazu bestimmt, Reliquien der beiden Konstanzer Stadtheiligen Konrad und Pelagius aufzunehmen. Diese sind an den Schmalseiten des in Renaissance-Formen gestalteten Behältnisses dargestellt. Auf den Längsseiten sind Passionsszenen wiedergegeben, für die der Goldschmied druckgraphische Arbeiten Albrecht Dürers zum Vorbild nahm.
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In den Wirren der Reformation, 1526, übersiedelte der Konstanzer Bischof nach Meersburg am anderen Bodenseeufer, während das Domkapitel im nahen Überlingen Unterkunft fand. Den wertvollen Domschatz hatten die Herren nicht mitnehmen können; wenig später haben ihn dann die Konstanzer in der Münze einschmelzen lassen. Die Gebeine der Stadtpatrone Konrad und Pelagius warfen sie kurzerhand in den Rhein. Vermutlich hatten die Domherren aber doch Partikel oder andere Überreste der beiden Heiligen an sich genommen, für die sie jetzt ein kostbares Reliquienbehältnis an ihrem Zufluchtsort anfertigen ließen. Als Abbilder sind die Konstanzer Patrone an den Schmalseiten des in Renaissance-Formen gestalteten Kästchens präsent. Auf den Längsseiten sind Passionsszenen unter pfeilergestützten Arkaden wiedergegeben, bei denen sich der Goldschmied in zeittypischer Weise druckgraphischer Vorlagen Albrecht Dürers bediente. Die Reliefs der Hauptansicht zeigen Christi Einzug in Jerusalem, das Gebet am Ölberg und die Geißelung an der Säule, die er Dürers Kleiner Holzschnitt-Passion, 1509-1511, entnahm. Die rückwärtigen Szenen - Dornenkrönung, Kreuzigung und Auferstehung - folgen der Kupferstich-Passion von 1511-1512, die er vereinfacht in die artverwandte Gravur übertrug. (Detlef Zinke)

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