Südniederländisch

Vortragekreuz ("Zweites Liebenauer Kreuz"), um 1440

Über das Objekt

Wie das Reliquienkreuz in der Nachbarvitrine soll auch dieses Vortragekreuz durch Schwestern des 1563 aufgelösten Liebenauer Klosters nach Freiburg gelangt sein. Es spielt ebenfalls auf die Vorstellung des Lebensbaumes an, wobei Maria und Johannes unter dem Gekreuzigten auf ausladenden Ästen stehen. In den durchbrochenen Enden der Kreuzesbalken sitzen die vier Evangelisten mit ihren Symbolwesen.
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Auch das zweite - der Überlieferung nach - aus Kloster Liebenau stammende Kreuz spielt auf die Vorstellung des Lebensbaumes an, bleibt aber bei den vegetabilischen Schmuckformen zurückhaltender. Maria und Johannes auf ausladenden Ästen assistieren dem Gekreuzigten in der herkömmlichen Weise, schwebende Engel fangen mit Abendmahlskelchen das Blut des Herrn auf. In den durchbrochenen VierpassEndungen des Kreuzes sind die vier Evangelisten mit ihren Symbolwesen Repräsentiert: Matthäus mit dem Engel, Markus mit dem Löwen, Lukas mit dem Stier und Johannes mit dem Adler. Zuoberst erhebt sich der Pelikan, von dem es heißt, er ernähre mit dem eigenen Blut seine Jungen, womit auf die Selbstlosigkeit Christi verwiesen wird. Am Kreuzesfuß stehen die Muttergottes und mehrere Heilige in Tabernakelnischen, die Propheten Salomo und Jesaia stützen symbolisch den Schaft, beschriftete Spruchbänder in ihren Händen haltend. Die vorzügliche Arbeit wird mit Kunstwerken verschiedener Gattungen aus den südlichen Niederlanden in Verbindung gebracht. Von dort ging eine neue Kunstsprache aus, die den ‚Weichen Stil‘ ablöste und sich intensiv der Erfahrungswirklichkeit zuwandte. Die Figurenbildung beim ‚Zweiten Liebenauer Kreuz‘ vermittelt davon bereits eine Ahnung. (Detlef Zinke)

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