Prof. Dr. Eugen Fischer (1874 - 1967)

Sammler*in

Biografie

Prof. Dr. Eugen Fischer, geboren am 05.06.1874 in Karlsruhe, studierte in Freiburg und München Medizin und Naturwissenschaften. 1898 promovierte Fischer in Anatomie. Bereits 1900 folgte die Habilitation in Anatomie und Anthropologie. Nach seiner Tätigkeit als außerordentlicher Professor in Würzburg und Freiburg wurde er 1914 Professor für Anatomie an der Universität Freiburg und 1918 schließlich Ordinarius für Anatomie und Direktor des Anatomischen Instituts in Freiburg. 1927 erhielt Fischer den Lehrstuhl für Anthropologie und die Leitung des Kaiser-Wilhelm-Instituts für Anthropologie, menschliche Erblehre und Eugenik in Berlin. Zwischen 1933 und 1934 war Fischer zudem Rektor der Universität Berlin. 1942 emeritierte Fischer. Fischer starb am 09.07.1967 in Freiburg. Fischer war einer der ersten Wissenschaftler, der versuchte, die Mendelschen Vererbungsregeln auf den Menschen zu übertragen. Anhand von Daten, die er 1908 bei den Rehoboth Baster im heutigen Namibia (ehemalige Kolonie des Deutschen Kaiserreichs; damals Deutsch-Südwestafrika) erhob, behauptete Fischer, dass menschliche "Rassenmerkmale" nach den Mendelschen Regeln vererbt würden. Seine Arbeiten hatten jedoch keine wissenschaftlich fundierte Grundlage, vielmehr nutzte Fischer die Mendelschen Regeln, um rassistische und eugenische Theorien zu untermauern. Auch wenn spätere wissenschaftliche Arbeiten von anderen belegen, dass die Mendelsche Vererbungslehre grundsätzlich auch für den Menschen gilt, waren Fischers Schlussfolgerungen hierzu nicht wissenschaftlich fundiert, sondern geprägt von rassistischen Vorurteilen. Viele seiner pseudowissenschaftlichen Behauptungen wurden später widerlegt. Auch Fischers Rolle als Wissenschafter während des deutschen Kolonialismus und später im Nationalsozialismus, seine Untersuchungen an menschlichen Überresten aus den Kolonien und seine Verstrickung in NS-Verbrechen und -Unrecht, zeugen von seiner Gesinnung. Seine Arbeit, die Menschen anhand körperlicher Merkmale in Phänotypen einteilte und die bestimmte „Rassen“ als höher- bzw. minderwertiger auswies, sowie die Mitbegründung der als Rassenhygiene bezeichneten Theorie, die als Wegbereiter der nationalsozialistischen Rassentheorien gilt, sind zutiefst diskriminierend und rassistisch. In Fischers Person zeigt sich eine rassenideologische Kontinuität von der Kolonialzeit bis zum Nationalsozialismus.

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